Haiti |

Cholerafälle in den letzten Wochen mehr als verdreifacht

Nach Beginn der Regenzeit auf Haiti beobachtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen einen deutlichen Anstieg der Cholerafälle. In weniger als einem Monat habe sich die Zahl der neuen Patienten in den Behandlungszentren der Organisation in Port-au-Prince und Leogane mehr als verdreifacht. Allein in der Woche vom 16. bis 23. April hätten Mitarbeiter fast 400 neue Patienten registriert.

"Es hätte gleich zu Beginn eine Impfkampagne geben müssen", sagt Christian Meyer, Tropenmediziner am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Es war klar, dass der Aufbau einer grundlegenden Wasserversorgung utopisch ist.

Dabei stand ein Impfstoff zur Verfügung, der preisgünstig und effektiv ist: das in Indien produzierte Shanchol, das das Risiko einer Choleraerkrankung um bis zu 70 Prozent reduziert. Den Einsatz verhinderten Behörden, zögerliche Geber und später eine Medienkampagne in Haiti. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war zunächst skeptisch. "Wir hielten Impfungen vor allem für logistisch unmöglich", sagt Andrea Vicari von der WHO.

Die haitianische Regierung hielt sich an den Rat der WHO und verbot die Impfung. Immer mehr Menschen starben. Im September 2011 erteilte die WHO dem Impfstoff Shanchol ihren Segen, ein Jahr nach Beginn der Epidemie. Seit Dezember spricht sie sich vorsichtig für Impfungen aus.

Die Cholera war im Oktober 2010 in Zentralhaiti ausgebrochen und hatte sich rasch im ganzen Land ausgebreitet. Mehr als 500.000 Menschen erkrankten und über 7000 starben an der Seuche, die das verarmte Land zehn Monate nach einem zerstörerischen Erdbeben heimsuchte. (kna/ml)