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Chile: Deklaration der Mapuche-Pastoral nach Gewalt gegen Kinder

Nach wiederholten Fällen polizeilicher Gewalt und Übergriffen gegen Mapuche in den Regionen Bio Bio und Araucanía haben die Mitglieder der Mapuche-Pastoral der katholischen Kirche in Chile in einer Erklärung zu einem „Friedens-Gipfel“ aufgerufen und eine Anerkennung indigener Gebiete gefordert.
Bei einer Räumungsaktion der Polizei in der Mapuche-Gemeinde Temucuicui (Region Araucanía) waren Anfang der Woche fünf Kinder durch Gummigeschosse verletzt worden. Die Mapuche hatten den Grundbesitz „La Romana“ besetzt, den sie als Teil ihres angestammten Territoriums ansehen und deren Rückgabe sie fordern. Die Polizei habe aus nächster Nähe auf Frauen, Kinder und Alte geschossen, erklärte der Sprecher der Gemeinde, Mijael Carbone.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Dokument fordern Priester und Ordensschwestern ein Einhalten der UN-Konvention 169 zur Wahrung indigener Interessen und eine Beschleunigte Freigabe von Gebieten, die den Mapuche durch den chilenischen Staat zugesprochen worden sind. Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung sei auf beiden Seiten abzulehnen, heißt es in dem Schreiben, insbesondere aber auf Seiten der Polizei, die neben Männern und Frauen auch Kinder und alte Menschen treffen würde.

Bei besonders heftigen Übergriffen durch Polizisten Anfang Juni auf eine Mapuche-Gemeinde waren zehn Mapuche verletzt worden, drei davon schwer. Daraufhin wendete sich die Ombudsstelle aus Temuco, Südchile, in einem Schreiben direkt an die UNO um eine Intervention des Sonderbotschafters für Indigene Rechte zu erwirken.

Anfang April wurde im Zuge einer Razzia der Polizei in einem Mapuchedorf ein Schuss abgefeuert, der einen Polizisten getötet hatte. Nach lokalen Presseberichten sei der Konvoi aus Polizei und Staatsanwaltschaft beim Verlassen des durchsuchten Dorfes aus einem nahe gelegenen Wald heraus beschossen worden.

Der Chile-Experte der Bischöflichen Aktion Adveniat, Reiner Wilhelm, sieht in den Forderungen durch die Kommission der Mapuche-Pastoral den einzigen Weg, langfristig die gewaltsamen Konflikte zwischen Polizei und Mapuche zu beenden. „Den Mapuche werden grundlegende, durch die UN-Konvention 169 zugestandene, Rechte nicht eingeräumt.“ Chile habe die Konvention zwar unterschrieben, aber bislang nicht ratifiziert. Eine Rückgabe der Ländereien, die sich im Besitz mehrerer Forstunternehmen und des Großgrundbesitzers Juan de Dios Fuentes, an die Mapuche und eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen allen Beteiligten seien notwendig, um weitere Eskalationen zu verhindern, so Wilhelm.

Adveniat fördert die Aktivitäten der Mapuche-Pastoral in Santiago und in der Konfliktregion. Die „Pastoral Mapuche“ ist Anlaufstelle für Menschen in Not. Ihre Arbeit basiert auf der Wertschätzung, Beachtung, Anerkennung und Förderung der kulturellen Werte des Mapuche-Volkes.

Weitere Informationen:

<media 9532>Der Gesamttext der Deklaration im spanischen Original</media>