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Chance auf eine sanfte Agrarreform

Es wäre die Chance auf eine Landreform der etwas anderen Art. Vom 1. bis 7. September findet in ganz Brasilien ein Plebiszit zur Begrenzung von Landbesitz statt. Damit soll der Konzentration von riesigen Landgütern in den Händen weniger Großgrundbesitzern ein Ende gemacht werden. Gerade einmal gut drei Prozent aller Landgüter sind als Großgrundbesitz angegeben, doch sie halten gut 57 Prozent aller landwirtschaftlich nutzbarer Flächen.

Ziel des Plebiszites ist den Landbesitz auf maximal 35 sogenannte Module zu begrenzen. Ein Modul ist
eine vom brasilianischen Statistikamt definierte Größe die es erlaubt, eine Familie durch landwirtschaftliche Tätigkeit zu ernähren. Die genaue Größe eines Moduls schwankt von Region zu Region und Biom zu Biom, je nach der Fruchtbarkeit des Bodens. Die Landwirte, die mehr als 35 Module halten, sollen die überzähligen Flächen an den Staat abtreten, der diese an landlose Bauern weitergibt. Betroffen wären gut 50.000 Großbetriebe, die hauptsächlich Soja und Fleisch für den Export produzieren.

200 Millionen Hektar Land für Landlose

Nach Schätzungen der Organisatoren des Volksbegehrens würden damit mehr als 200 Millionen Hektar Land umverteilt und hunderttausende landloser Bauernfamilien angesiedelt werden können. Seit Jahrzehnten warten diese auf eine von der Regierung versprochenen Landreform. Doch Land zur Ansiedlung steht nur in geringem Maße zur Verfügung, und oft handelt es sich dabei um wenig fruchtbare Böden, was eine erfolgreiche Ansiedlung erschwert.

Bereits im Jahre 2000 hatte das "Nationale Forum für die Landreform und Gerechtigkeit auf dem Land" (FNRA) die Kampagne zur Begrenzung von Landbesitz gestartet. Gut 1,5 Millionen Unterschriften braucht man, um das Begehren in den Kongress einbringen zu können, der dann über eine Verfassungsänderung berät.

Unterstützung durch katholische Landpastoral

An der seit Monaten in den Bundesstaaten anlaufenden Mobilisierungskampagne sind mehr als 50 Organisationen beteiligt, darunter auch Basisorganisationen der katholischen Kirche wie die Landpastoralen. In einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Brief sprach sich Brasiliens Bischofskonferenz CNBB für eine Unterstützung des Begehrens aus, da dieses im Einklang mit den Grundsätzen der CNBB stehe. Den Bischöfen wurde freigestellt, sich in den Dienst des Volksbegehrens zu stellen.

Die Bischofskonferenz verteidige stets sämtliche "sozialen Aktionen die das Ziel haben, die Lebensbedingungen der brasilianischen Bürger zu verbessern," und eines der Probleme für die Evangelisierungsarbeit der Kirche in Brasilien sei nun einmal die Landfrage, heißt es in dem Brief.

Derweil haben sich Vertreter landwirtschaftlicher Genossenschaften und Gewerkschaften gegen eine Begrenzung des Landbesitzes ausgesprochen. Nach ihrer Meinung verstößt die Enteignung von Grundbesitz gegen das in der Verfassung garantierte Eigentumsprinzips. Zudem befürchtet man dass besonders die Export orientierte Landwirtschaft durch eine Begrenzung der Anbauflächen schweren Schaden nehmen könnte.

Autor: Thomas Milz