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Campesinos kämpfen für einheimisches Saatgut 

Campesinos in Paraguay (Foto: Adveniat/Escher)

Organisationen von Bauern, in Lateinamerika Campesinos genannt, setzen sich gegen transgene Samen zur Wehr, die auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern auf dem Vormarsch sind. Transgen bedeutet, das Gut trägt ein zusätzliches, eingeschleustes Gen von einer anderen Art in sich. In Paraguay werden auf einer Fläche von rund 30.000 Quadratkilometern (Landesfläche: gut 400.000 Quadratkilometer) transgener Mais, Soja und Baumwolle angebaut. Das Land liegt damit weltweit auf dem sechsten Platz, was die Produktion genetisch veränderter landwirtschaftlicher Güter betrifft. Die Angabe findet sich in einem Bericht des Instituto de Biotecnología Agrícola (INBIO), einer Non-Profit-Organisation, aus dem November 2018.

Traditionelles Wissen ermöglicht Verzicht auf Chemikalien 

Derzeit sind in Paraguay 21 genetisch veränderte Samen zugelassen - allein 15 davon für den Mais-Anbau. Die traditionelle Landwirtschaft sieht sich bedroht, herkömmliches Saatgut könnte ganz verloren gehen. Die Aktivistin Ceferina Guerrero bringt es auf eine einfache Formel: „Unsere Samen machen uns frei.“ Sie betont, dass Frauen beim Schutz des traditionellen Saatgutes eine wichtige Rolle spielten. Sie hätten schon immer die Samen geerntet, gehütet und eingepflanzt. Guerrero ist die Gründerin der Organización de Mujeres Campesinas e Indígenas (CONAMURI). In der Kleinstadt Repatriación betreibt diese ein „Haus der Samen“. Dieses widmet sich der Erhaltung von Samen aus verschiedenen Regionen Paraguays. Jeden Monat treffen sich hier Campesinos aus dem ganzen Land, um sich auszutauschen und zu lernen, wie sich unterschiedliches Saatgut erhalten lässt. Gezeigt werden außerdem Techniken, wie sich Lebensmittel anbauen lassen, ohne Agrochemikalien zu verwenden. Traditionelles Wissen erweist sich oft als sehr hilfreich. 

Perla Álvarez, Mitglied bei CONAMURI erklärt, jede Maissorte eigne sich für bestimmte Speisen. Indigene Völker wie die Avá oder die Mbyá verwendeten farbigen Mais für ihre Rituale. Der Mais habe daher auch einen kulturellen Wert. 

Droht eine Privatisierung des Saatgutes?

Ceferina Guerrero warnt vor einer möglichen Privatisierung des Saatgutes. Die Zukunft könnten ja wohl keine Samen in Packungen und Dosen sein. Mit einem Etikett versehen und voller Gift. Sie, die traditionellen Campesinos, verwendeten kein Gift, weder für den Boden noch für die Pflanzen. Stattdessen komme ein Präparat zum Einsatz, das aus Medizinkräutern hergestellt werde. Damit fahre man sehr gut. 

Der Kleinproduzent Justo Alfonzo nennt die herkömmlichen Samen eine Quelle des Lebens. Wer sich gesund ernähre, stelle das Leben sicher. Alfonso, der sich in der Coordinadora de Trabajadores Rurales y Urbanos engagiert, sieht den Einsatz für die Erhaltung des einheimischen Saatgutes als eine Form von Widerstand an. Der Vormarsch der Agroindustrie stellt für ihn eine Bedrohung dar. Brasilianische Grundbesitzer, die Soja anbauen, breiten sich immer mehr aus. Von den 220.000 Quadratkilometern landwirtschaftlicher Anbaufläche in Paraguay befinden sich nach Angaben der Weltbank 85 Prozent in den Händen von 2,5 Prozent der Bevölkerung. Paraguay zählt damit zu den Ländern mit der höchsten Landkonzentration in Lateinamerika. Lediglich auf 6,3 Prozent der für Anbau nutzbaren Fläche wird Familienlandwirtschaft betrieben. Die Versorgung Paraguays mit Lebensmitteln lässt sich so nicht sicherstellen. 

Transgene Produkte bereits wichtiger Wirtschaftsfaktor 

Hinzu kommt, dass die fruchtbarsten Böden in Weideland für Vieh umgewandelt wurden. Oder auf diesen wird eben der Anbau transgener Produkte betrieben. Diese gelten als rentabler und machen 30 Prozent von Paraguays Bruttoinlandsprodukt aus. Campesinos aber, die schließlich doch transgene Samen pflanzen, sehen sich mit hohen Kosten konfrontiert und müssen Agrargifte einsetzen. Herkömmliche Sonnenblumen-Samen gibt es in Paraguay heute kaum noch. Die transgenen Samen haben sie verdrängt.

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