Paraguay |

Campesinos fordern erneut zügige Agrarreform

Die Geduld von Paraguays Campesinos mit der Regierung Lugo neigt sich dem Ende zu. Mit Landbesetzungen wollen sie Druck ausüben, um eine Neuverteilung zu erreichen.

Die Campesino-Organisation „Liga Nacional de Carperos de Paraguay“ verlangt von Präsident Fernando Lugos Regierung mit Nachdruck die Umsetzung der angekündigten umfassenden Agrarreform. Es fehle den Kleinbauern an eigenem Land, das sie bearbeiten könnten. Um die öffentlichkeit auf das Anliegen aufmerksam zu machen, würden in 10 Departamentos (Paraguay besteht aus 17 Departamentos) Ländereien besetzt, hieß es in einer Ankündigung der Interessenvereinigung.

Weltweit höchste Konzentration an Agrarbesitz

42 Prozent der Bevölkerung Paraguays leben in ländlichen Gebieten – dies ist der höchste Anteil in gesamt Lateinamerika. Zugleich handelt es sich um das Land mit der höchsten Konzentration an Agrarbesitz: und dies sogar weltweit. 2 Prozent der Paraguayer verfügen über 80 Prozent der gesamten Agrarfläche. Liga-Anführer José Rodríguez hat daher die zuständigen Behörden dazu aufgerufen, die Rechtmäßigkeit der Landkonzentration in der Hand weniger Familien zu überprüfen.

Einem aktuellen Bericht zufolge zählen etwa 74.000 Paraguayer zu den Landlosen. Eugenio Alonso, der Präsident des Nationalen Institutes für ländliche Entwicklung, hat in diesem Zusammenhang zu einer Lösung des Strukturproblems aufgerufen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Situation sich, wie bislang, sogar immer weiter verschärfe.

Die Verschleppung der Agrarreform durch die Regierung Lugo, die im August 2008 mit vielen Vorschusslorbeeren angetreten war, sorgt unter den (ehemaligen) Anhängern für Verstimmung. Vizepräsident Federico Franco zum Beispiel reagierte im vergangenen Jahr auf die Forderungen nach Enteignung eines umstrittenen Großgrundbesitzes mit der Äußerung, es gebe „wichtigere Angelegenheiten“ im Agrarsektor Paraguays. In dem konkreten Fall wurde die Lage zusätzlich dadurch erschwert, dass sich eine größere Fläche Urwald auf dem Grundstück befand.

Schicksalsfrage für Lugo?

Ein grundsätzlicher Streitpunkt ist auch die Frage der Taxierung von Ländereien, da die Besitzer der Regierung gerne einen zu hohen Kaufpreis nennen. Beobachter halten die Agrarfrage für entscheidend hinsichtlich der Zukunft der Regierung Lugo. Der ehemalige „Bischof der Armen“ hat bereits viel Kredit verspielt. Er habe seine Wahlversprechen nicht eingehalten, heißt es von Kritikern. Allerdings verfügt Lugo über keine eigene Mehrheit im Parlament. Die Großgrundbesitzer indes würden massiven Widerstand auch gegen nur geringe Veränderungen der Besitzverhältnisse in Paraguay leisten.

Brisant ist außerdem, dass viele Brasilianer in den vergangenen Jahren Grundstücke in Paraguay aufgekauft haben – das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern gilt ohnehin als stark verbesserungsfähig. Da die Brasilianer bevorzugt Landsleute beschäftigen, wächst das Ressentiment noch. (bs)

Quelle: púlsar