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Bundesstaat Acre ruft sozialen Notstand aus

Der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaats Acre hat Ende vergangener Woche den sozialen Notstand ausgerufen. Der Grund dafür ist der nicht abreißende Flüchtlingsstrom, der die Städte des Staates täglich erreicht. Allein in den vergangenen zwei Wochen haben nach Angaben der Behörden 1.700 Menschen Asyl in Acre gesucht. Die regionalen Behörden haben die nationale Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten. Es sei den örtlichen Behörden nicht mehr möglich, die ankommenden Flüchtlinge angemessen zu versorgen. Es fehle vor allem an Behausungen, aber auch die Nahrungsmittelversorgung stelle ein Problem dar. Ein Großteil der Menschen wird in der Stadt Brasileia in Notunterkünften untergebracht. Der Gouverneur von Acre, Tiao Viana, bezeichnete die Situation als eine humanitäre Tragödie

Die Mehrheit der Flüchtlinge kommt aus Haiti

Brasileia und andere Städte in Acre sind seit dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 vor allem das Ziel vieler Haitianer. Die Opfer der Tragödie verlassen ihre Heimat, die ihnen seit der Katastrophe keine Zukunft mehr bietet. Sie erhoffen sich ein besseres Leben im größten südamerikanischen Land, das mit der anstehenden Fußballweltmeisterschaft 2014 und der Olympiade 2016 Hoffnungen auf Arbeit gibt. 5.000 Haitianer haben in den letzten drei Jahren die beschwerliche Reise über Panama, Ecuador und Peru angetreten. Doch es sind nicht nur Menschen aus Haiti, die die brasilianische Grenze erreichen. Besonders in den letzten Monaten verzeichneten die Behörden einen zunehmenden Flüchtlingsstrom aus verschiedenen Ländern Westafrikas, wie Senegal und Nigeria.

Abgesehen von den nicht mehr zu tragenden Kosten für den Bundesstaat Acre - die lokale Regierung hat seit 2010 1,5 Millionen US-Dollar aufgebracht, um die Flüchtlinge zu versorgen - und der unzureichenden Infrastruktur, fürchten die Verantwortlichen auch den Ausbruch von Krankheiten. Diese würden sich in den prekären hygienischen Bedingungen der Notunterkünfte rasend schnell verbreiten. Der Staatsekretär für Menschenrechte des Bundesstaates Acre, Nilson Murao, warnte vor einer Gesundheitskatastrophe: „Es ist ein Wunder, dass bisher noch alle gesund sind“. (aj)