Brasilien |

Bund bürgt weiter für Brasiliens Atomkraft

Deutschland bürgt weiter für den Bau von Brasiliens Atomkraftwerken. Nachdem der Haushaltsausschuss im deutschen Bundestag am Mittwoch über eine Verlängerung der Hermes-Bürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das umstrittene brasilianische Atomkraftwerk Angra 3 informiert hatte, wächst die Kritik. Opposition, Umweltverbände und Atomkraftgegner werfen der Bundesregierung nach dem Atomausstieg doppelte Standards in ihrer Energiepolitik vor.

»Zuhause aussteigen und den Export von alten Reaktoren ins Ausland weiter fördern, ist eine absolut heuchlerische Politik der Bundesregierung«, so der Anti-Atom-Aktivist Fritz Mielert vom Kampagnennetzwerk Campact. Brasiliens einziger Atommeiler Angra 3 gilt als technisch veraltet. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass das Kraftwerk an der Atlantikküste monatelang ohne die vorgeschriebene technische Überprüfung weitergelaufen war.

Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten soll nun über die Sicherheit der Anlage aufklären. Laut Informationen aus Oppositionskreisen hieß es dazu, das Gutachten werde von dem Institut ISTec erstellt, Tochterunternehmen der deutschen »Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit« (GRS). Weil GRS im Jahr 2010 bereits ein Gutachten zu Angra 3 erarbeitet hatte, das von Experten als wissenschaftlich mangelhaft kritisiert wurde, spricht die Umweltorganisation »Urgewald« von einem »neuen Gefälligkeitsgutachten«.

Das Wirtschaftsministerium erklärte, die Hermes-Bürgschaften für das französische Unternehmen Areva seien aus Rücksicht der guten brasilianisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen um nochmals sechs Monate verlängert worden. Anfang 2012 wird abschließend über den Bau von Angra 3 entschieden. »Eine endgültige Bürgschaftszusage wird es nur geben, wenn die Ergebnisse zufriedenstellend sind«, hieß es dazu aus Regierungskreisen. (bb)