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Buchmesse-Gastland Brasilien mit steigender Analphabetenrate

Schlechte Nachrichten vor der Frankfurter Buchmesse: In Brasilien, dem Gastland der diesjährigen Buchmesse, steigt die Analphabetenrate erstmals seit 15 Jahren wieder. Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes vom Freitag, 27. September, können 8,7 Prozent der Brasilianer über 15 Jahren nicht lesen und schreiben; das sind 13,2 Millionen.

Die Erhebung basiert auf Daten von 2012. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Quote um 0,1 Prozent. Seit 1998 ging der Analphabetismus aufgrund massiver Investitionen in das Bildungssystem zurück. Staatliche Sozialprogramme wie "Bolsa Familia" (Familienstipendium) beinhalten die Auflage, dass schulpflichtige Kinder zur Schule gehen müssen.

Als Erfolg solcher Maßnahmen sind lediglich 1,2 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren Analphabeten. Der höchste Wert liegt mit 24,4 Prozent in der Gruppe der Senioren über 60 Jahre. "Die Tendenz der nächsten Jahre ist, dass die Reduzierung der Analphabetenrate stagnieren wird", glaubt Eliane Andrade, Professorin an der Universität Unerj in Rio de Janeiro. Die Bevölkerungsgruppen mit einer hohen Analphabetenrate seien schwer in das Bildungssystem zu integrieren, etwa alte Menschen und die ländliche Bevölkerung.

Bei der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt präsentiert sich Brasilien unter dem Motto "Ein Land voller Stimmen" mit rund 170 Verlagen und 70 Autoren. Der brasilianische Buchmarkt boomt: Derzeit liest jeder Brasilianer im statistischen Durchschnitt vier Bücher pro Jahr; das entspricht einer Verdoppelung innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Allerdings spielt der Staat eine wesentliche Rolle in der Statistik: 35 Prozent aller Bücher kauft die öffentliche Hand, um Büchereien und Schulen zu bestücken.

Quelle: KNA