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Brasilien wegen Diktaturverbrechen verurteilt

Brasilien ist für den Mord an 62 Oppositionellen während der Diktaturzeit verurteilt worden. Der Menschenrechtsgerichtshof der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sah es als erwiesen an, dass zwischen 1971 und 1975 die Angehörigen der Kommunistischen Partei von den Militärs ermordet und verscharrt worden waren. Brasiliens Regierung hatte eine Bestrafung der Täter stets unter Berufung auf das allgemeine Amnestiegesetz von 1979 abgelehnt. Die Opferfamilien müssten nun entschädigt werden, berichteten Zeitungen am Mittwoch.

Brasilien sei für das Verschwinden der Oppositionellen verantwortlich und habe deshalb die Pflicht, zur Aufklärung der Vorfälle beizutragen, urteilte das Gericht. Die Richter sprachen den Opferfamilien Entschädigungen in Höhe von umgerechnet rund 34.000 Euro zu. Außerdem muss Brasilien die den Familien entstandenen Kosten für die Suche nach den Vermissten und angefallene Gerichtskosten erstatten. Auch drei Nichtregierungsorganisationen, die seit Jahren um die Aufklärung der Fälle kämpfen, sollen Erstattungen bekommen. Brasiliens Außenministerium erklärte in einer Stellungnahme, es werde sich dem Gerichtsspruch beugen.

1972 gründeten Angehörige der Kommunistischen Partei in Zentralbrasilien rund um den Araguaia-Fluss eine bewaffnete Widerstandsorganisation gegen die Militärdiktatur. Auch eine unbekannte Zahl von Anwohnern der Region ist seitdem verschwunden. Die Militärregierung warf ihnen seinerzeit Kollaboration mit den Kämpfern vor.

Quelle: kna