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Brasilien: Vorbeugen statt wegsperren

Gefangener in Manaus, Brasilien. Foto: Adveniat/Pohl
Gefangener in Manaus, Brasilien. Foto: Adveniat/Pohl

In Brasilien ist die Zahl der Häftlinge in den vergangenen zwanzig Jahren rasant gestiegen. Eine halbe Million Menschen ist derzeit inhaftiert die Mehrheit von ihnen unter erbärmlichen Umständen, berichten Vertreter der brasilianischen Pastoral für Gefängnisseelsorge bei einem Besuch des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat in Essen.

„Armut und Drogenhandel sind Faktoren für die Zunahme Inhaftierter. Aber sie ist auch auf die immer repressivere Politik zurückzuführen. Die Gesetze sind schärfer, die Strafen drakonischer geworden“, sagt Padre Valdir João Silveira, Leiter der Gefängnispastoral auf nationaler Ebene. Er fordert bessere Haftbedingungen, Rechtsbeistand für alle und mehr Alternativstrafen bei Kleindelikten.

Für die Gefängnispastoral der katholischen Kirche arbeiten derzeit rund 6.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie setzen sich neben der psycho-sozialen Betreuung der Inhaftierten dafür ein, dass die Häftlinge Rechtsbeistand erhalten, auch wenn sie sich keinen Anwalt leisten können und das können die wenigsten. Das Recht auf juristischen Beistand ist in der brasilianischen Verfassung verankert, doch einige Bundesländer wie Santa Catarina und Paraná haben es noch nicht umgesetzt, kritisiert Padre Valdir João Silveira. Scharf verurteilt er auch die exzessiven Gewaltanwendung und die oftmals herrschende Willkür gegenüber Inhaftierten.

In mehreren Bundesländern bietet die Gefängnispastoral Häftlingen, aber auch Gefängnisangestellten Kurse zur Mediation bei Konflikten an. „Wir versuchen ihnen vor allem beizubringen, wie man respektvoller miteinander umgehen kann und den Dialog fördert statt die Gewalt.“

Adveniat ist Projektpartner der brasilianischen Gefängnispastoral.

Einen ausführlichen Bericht zur Situation der Inhaftierten in Brasilien erhalten Sie in unserem Online-Magazin Blickpunkt Lateinamerika.

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