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Brasilien: „Regierung muss ihre verfassungsmäßige Pflicht erfüllen“

Die 49. Vollversammlung der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) hat im Wallfahrtsort Aparecida im Bundesstaat São Paulo in einer Erklärung den Indigenen des Landes ihre Solidarität versichert. Der weltweit größten Bischofskonferenz gehören 450 Bischöfe an.

„Auf unserer Vollversammlung nehmen wir erneut das Leiden und die Ungerechtigkeit zur Kenntnis, welche den indigenen Völkern unseres Landes widerfahren. Daher können wir nicht anders, als ebenso solidarisch wie beschämt auf die schlimme Situation zu reagieren, in der sich so viele unserer Brüder befinden.
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Von den mehr als 250 indigenen Völkern Brasiliens leben etwa 90 in selbstgewählter Isolation. Inmitten des Waldes, aber ihr Leben wird durch Großprojekte der Regierung bedroht, von denen viele Teil des Nationalen Wachstumsbeschleunigungsprogramms (PAC: Programa Nacional de Aceleração do Crescimento) sind. Diese Projekte dringen auf die traditionellen Gebiete der Indigenen vor. Deren Verletzlichkeit setzt sie dem permanenten Risiko des Aussterbens aus, als Folge der schwerwiegenden Schäden, welche viele dieser Arbeiten verursachen. Diese erwiesen sich als äußerst belastend für die Umwelt.
Viele indigene Völker sind ständig mit Konflikten die Demarkierung ihrer Gebiete betreffend konfrontiert, mit der Verfolgung ihrer Anführer, Todesdrohungen, Morden, gesetzeswidrigen Verhaftungen, der Kriminalisierung ihres Kampfes und weiteren Angriffen auf ihre Würde und ihre von der Verfassung garantierten Rechte. Diese Konflikte sind verantwortlich für das hohe Maß an Gewalt, das von 2003 bis 2010 die Leben von 499 Indigenen kostete, ganz überwiegend im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. 748 Indigene sitzen im Gefängnis, da sie angesichts der ungelösten Probleme in Verzweiflung und aggressives Verhalten getrieben werden. Gegen mindestens 60 indigene Anführer laufen Prozesse, da sie die Gebiete ihrer Völker verteidigt haben. Und bedauerlicherweise verschärft sich diese Situation immer weiter, da die Demarkierungsarbeiten für neue Gebiete nicht vorankommen. Zugleich dringen über 400 Unternehmen auf bereits demarkiertes indigenes Land vor, 182 Gebiete sind hiervon betroffen.
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Wir wollen die brasilianische Gesellschaft sensibilisieren und die Regierung darauf aufmerksam machen, dass sie ihre verfassungsmäßige Pflicht erfüllen muss: alle indigenen Gebiete zu demarkieren und zu schützen, so wie es Artikel 231 unserer Verfassung festlegt. Die indigenen Völker müssen angehört werden, gemäß der Entscheidung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bezüglich jener Projekte, die Auswirkungen auf ihre Gebiete haben. Ebenso notwendig ist es, die Gewalt zu bekämpfen und die körperliche Unversehrtheit der Mitglieder indigener Gemeinschaften zu schützen.“
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Bernd Stößel
Quelle: http://www.adital.com.br