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Brasilien: Landräuber nehmen sich Amazonaswald von Größe Englands

Wer staatliche Waldfläche in Brasilien rauben will, hat leichtes Spiel: Er muss lediglich die Geodaten des Grenzverlaufs notariell beglaubigen lassen. Mit der Prüfung kommen die Behörden kaum nach.

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Rinderweiden im Amazonas-Regenwald zwischen Alenquer und Obidos. Foto: Adveniat/Florian Kopp

Staatswaldgebiete von etwa der Größe Englands sind dem brasilianischen Staat über die vergangenen zwei Jahrzehnte in der Amazonasregion geraubt worden. Die 116.000 Quadratkilometer sind illegal von Landräubern in gefälschte Register eingetragen worden, berichten Medien am Mittwoch, 24. Juni 2020 (Ortszeit). Das entspreche 23 Prozent aller nicht zweckgebundenen Waldgebiete Amazoniens, also Gebiete, die weder an Indigene vergeben noch in Naturschutzgebiete verwandelt wurden.

Mehrere brasilianische Wissenschaftsinstitute hatten Datensätze aus den Jahren 1997 bis 2018 für die am Montag in der Fachzeitschrift "Land Use Policy" veröffentlichte Studie untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass in Amazonien bisher 498.000 Quadratkilometer Staatswald noch nicht einer gezielten Verwendung zugeführt wurden. Sie zu "rauben", ist recht einfach. Es genügt eine notarielle Beglaubigung mit den Geodaten des Grenzverlaufs, um den Gebietsanspruch in ein Zentralregister einzutragen.

26.000 Quadratkilometer Wald gerodet

Zwar muss die Rechtmäßigkeit des Besitztitels danach von Behörden überprüft werden. Doch oft zieht sich dieser Prozess über Jahre hin, so dass die Besitztitel schon längst wieder weiterverkauft wurden. Dabei werden Teile des geraubten Waldes in Viehweiden verwandelt, um vorzutäuschen, dass es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt. Laut der nun veröffentlichten Studie wurden 26.000 Quadratkilometer des geraubten Waldes bis 2018 gerodet.

Brasiliens Regierung hatte in den vergangenen Monaten versucht, mit dem präsidentiellen Dekret MP 910 die Legalisierung der geraubten Gebiete zu vereinfachen. Allerdings blockierte der Kongress nach Protesten von Umweltschützern den Vorstoß. Nun soll der Kongress einen eigenen Gesetzesentwurf erarbeiten. Umweltschützer sprechen sich dafür aus, den Staatswald entweder in indigene Reservate oder in Naturschutzgebiete umzuwandeln. Das würde es den Landräubern erschweren, die Besitztitel zu erlangen.

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