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Brasilien: Gesundheitsminister nach einem Monat zurückgetreten

Brasiliens Gesundheitsminister Nelson Teich ist nach knapp einem Monat von seinem Amt zurückgetreten. Foto: Palácio do Planalto, José Dias/PR, Nelson TeichCC BY 4.0

Brasiliens Gesundheitsminister Nelson Teich hat nach weniger als einem Monat am Freitag, 15. Mai 2020, seinen Rücktritt eingereicht. In den vergangenen Tagen war es zu Spannungen zwischen Teich und Präsident Jair Messias Bolsonaro über den Einsatz des Malariamittels Chloroquin gegen das Coronavirus gekommen, wie Medien berichten. Derzeit steigen die Corona-Fälle in Brasilien rasant an. Das öffentliche Gesundheitssystem ist in manchen Regionen zusammengebrochen, die vom Gesundheitsministerium angekündigten Hilfslieferungen lassen auf sich warten.

Teich uneins mit Bolsonaro

Am 16. April hatte Bolsonaro den damaligen Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta entlassen, der sich für das von Bürgermeistern und Gouverneuren angeordnete "Social Distancing" stark gemacht hatte. Bolsonaro glaubt, dass die von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegebenen Distanzregeln die brasilianische Wirtschaft zerstören. Erst am Donnerstag sagte er vor Unternehmern, seiner Meinung nach sollte "fast alles geöffnet" werden. Doch auch Nachfolger Teich sprach sich für das "Social Distancing" aus.

Zudem weigerte er sich, Chloroquin für die Behandlung von Covid-19-Patienten zu empfehlen. Weltweite Studien zeigen, dass das auch von US-Präsident Donald Trump angepriesene Mittel keine signifikanten Erfolge erzielt, dafür jedoch gefährliche Nebenwirkungen hat. Bolsonaro fordert seit Monaten den Einsatz von Chloroquin. Teich solle den Einsatz des Mittels offiziell empfehlen, verlangte er am Donnerstag. "Seine" Minister müssten ihm folgen, er sei "der Kompass".

Nachfolger für Teich möglicherweise ein General

Anfang der Woche hatte Bolsonaro zudem eine neue Liste mit systemrelevanten Branchen veröffentlicht, die während der Pandemie öffnen dürfen, darunter Fitnessstudios und Friseure. Teich wurde von der Nachricht in einer Pressekonferenz überrascht, Journalisten unterrichteten ihn von der Maßnahme. Beobachter sahen darin eine bewusste Demütigung des Ministers durch den Präsidenten. Als Nachfolger für Teich wird nun ein General gehandelt.

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