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Brasilianisches Feuer für den (Ruhr)Pott

„Hätte ich 100 Millionen Euro, dann würde ich weiterhin als Priester arbeiten und das Geld sinnvoll auf verschiedene gute Zwecke verteilen“, sagt Matthias Feldmann. Der 36-jährige Stadtjugendseelsorger aus Bochum legt keinen Wert auf das große Geld. Fünf Wochen Brasilien-Urlaub bei seiner Tante und ein anschließendes Auslandssemester in Rio de Janeiro, riefen in ihm einen „Kulturschock“ aus. Was für die Menschen in Deutschland wichtig ist, wurde während seines Aufenthaltes in Brasilien relativiert und hat ihn geprägt. „Die Selbstverständlichkeit von Wasser, Essen, Infrastruktur und dem hohen Wohlstandsniveau in Deutschland hat mir zu denken gegeben“, sagt der Mann mit den tiefblauen Augen. Viele Brasilianer sind sehr arm, wirken laut Feldmann aber trotzdem oft zufriedener und glücklicher als die Deutschen. Ihr Glauben sei tief im Alltag verwurzelt, so der Priester.

Der Geistliche stammt aus einer liberalen und weltoffenen Familie. Gläubig waren die Feldmanns jedoch und der sonntägliche Messgang selbstverständlich. Bei den katholischen Pfadfindern hatte er mit jungen, überzeugenden Priestern zu tun, die letztlich seinen Entschluss Priester zu werden mit beeinflusst haben. Diese Entscheidung überraschte die Eltern zwar „sie haben mich aber immer unterstützt“.

Feldmann hätte zwar gerne eine Familie gegründet, seine Berufung zum Priesteramt war jedoch stärker. „Grundsätzlich hätte ich mir aber eine eigene Familie vorstellen können.“ Seinen Entschluss, zölibatär zu leben, bereut er heute nicht. „Ich habe ein Patenkind, um das ich mich gerne kümmere“, sagt er. Als Patenonkel nehme er zwar eine andere Rolle ein, jedoch mache ihm das Spaß. „Es ist eine wichtige Verbindung für mich.“

Der gebürtige Mülheimer arbeitet als Stadtjugendseelsorger in Bochum und fungiert als Diözesankurat der DPSG. (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) Er leitet verschiedene Projekte für Jugendliche. Bei der Aktion „Himmel und Erde“ wurde eigens ein Hochseilgarten in einer Kirche in Bochum aufgebaut. Für Feldmann ein möglicher Weg, Menschen auf eine ganz andere Art mit dem Glauben in Verbindung zu bringen. Jugendliche für die Kirche zu begeistern, liegt ihm besonders am Herzen. Gerne nimmt er Einladungen in den Religionsunterricht an. Feldmann arbeitet auch mit jungen Erwachsenen, die sich als Gruppenleiter bei den katholischen Pfadfindern engagieren. „Die Mitgliederzahl ist stabil, es kommen sogar noch neue hinzu.“

In der Jugendbildungsstätte der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Hagen betreut er junge Schulklassen. Das Haus liegt auf einem Berg, umgeben von Bäumen und Spazierwegen. Ein perfekter Ort um abzuschalten und in sich zu gehen. Hier sollen sich die Jugendlichen ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden. Die Anliegen der Schülerinnen und Schüler, ihre Fähigkeiten und Talente, sowie die Gruppendynamik stehen dabei im Vordergrund. „Die Kirche und die Religion sind dabei ihre Begleiter auf dem Weg.“

Der hochgewachsene Priester hört viel Musik, vorzugsweise brasilianische, und spielt leidenschaftlich gern Gitarre. Hörspiele und Bücher sind für ihn unabdingbar. Aufgrund seiner Begeisterung für Brasilien lernte er das Lateinamerikahilfswerk Adveniat und dessen Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka kennen. Seitdem besucht er regelmäßig das Theologentreffen des Hilfswerkes. Er ist sich gewiss: „Adveniat leistet viel für die Menschen in Brasilien“ von denen er (s)eine neue Lebensart gelernt hat.

Von Eleftherios Zavrakidis Herrero.