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Brasilianische Landpastoral mit Shalom-Menschenrechtspreis ausgezeichnet

Padre Paulo Joanil da Silva aus Belém.
Padre Paulo Joanil da Silva aus Belém.

Die Landpastoral in Brasilien, die Comissão Pastoral da Terra (CPT), ist mit dem Shalom-Menschenrechtspreis 2013 ausgezeichnet worden. Der Regionalkoordinator der Amazonasregion Pará, Padre Paulo Joanil da Silva, nahm den Preis am 14. Juni in Eichstätt entgegen. Die CPT ist Unterstützerin der Kleinbauern, Landlosen und der Ureinwohner Brasiliens. Aus ihr ging eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen Brasiliens hervor, das Movimento sem Terra (Bewegung der Landlosen). Während der repressiven Militärdiktatur gründete die brasilianische Bischofskonferenz 1975 die CPT. Von Anfang an war sie ökumenisch ausgerichtet. Adveniat unterstützt die Arbeit der CPT seit vielen Jahren.

Brasilien, bevölkerungsreichstes Land Südamerikas, aufstrebende Wirtschaftsmacht, wird nächstes Jahr die Fußballweltmeisterschaft und zwei Jahre später die Olympiade ausrichten. Es gibt aber auch eine andere Seite dieser wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen. Diese beleuchtete Padre Paulo Joanil da Silva. Eines der drängendsten Probleme des Landes sei noch immer die ungleiche Verteilung des Landes. Zehn Prozent der Brasilianer besitzen achtzig Prozent des Landes. Kleine Landwirte, die angepasste Landwirtschaft betreiben, würden von Großgrundbesitzern verdrängt. Brutale Gewalt sei allgegenwärtig, sgte Padre Paulo Joanil da Silva.

Die Regierung in Brasilien verfolge exakt den Willen des Kapitals, der Wirtschaft. Es finde ein Ausverkauf des Lebensraumes der Kleinbauern statt. Großprojekte, wie etwa Staudämme oder Flussumleitungen, dienten allein Minenbesitzern und der Industrie. An der Börse gehandelte Fonds kauften riesige Ländereien. Häufig genug stammten die Hintermänner aus den USA, China und Europa. Sie zerstörten jedoch den Lebensraum der Menschen, die dort leben. Riesige Monokulturen etwa für den Sojaanbau für Masttierfutter oder die Produktion von Bio-Ethanol als Beimischung für Benzin ruinierten die Böden und zerstörten die wertvolle Biosphäre des Regenwaldes für immer.

Die schlimmste Schande sei laut Padre Paulo die Rechtlosigkeit und die Straflosigkeit. In klaren Worten und mit Bildern, die er aus Brasilien mitbrachte, erläuterte der Geistliche, dass die Drahtzieher der Morde fast immer straflos davonkämen. Aber die Menschen vergäßen nicht. Die vielen Landwallfahrten, Märsche im Gedenken an ermordete Frauen, Männer und Kinder, legten Zeugnis ab. Auch die Sklaverei sei im Amazonasgebiet längst nicht abgeschafft. Land sei für alle, nicht nur für wenige, betonte der Preisträger.

Michael Huhn, Brasilien-Referent bei Adveniat, unterstrich in seiner Laudatio, die von Ulrike Schurr-Schöpfel vom Arbeitskreis Shalom verlesen wurde: „Wenn sich Brasilien an Wachstum und an Fortschritt berauscht, muss die Kirche Fürsprecherin der Armen sein, eine lästige Mahnerin und ein notwendiger Störsender im Nachrichtenschwall immer neuer Erfolgsmeldungen.“

In seinem Grußwort unterstrich der Schirmherr der Aktion, Oberbürgermeister Andreas Steppberger, wie beeindruckt er von der Arbeit der CPT und von Padre Paulo Joanil da Silva sei. Der Leiter des Referats Weltkirche des Bistums Eichstätt, Domkapitular Christoph Kühn, sagte, dass Frieden ohne Gerechtigkeit nicht möglich sei.

Sichtlich bewegt dankte Padre Paulo den Mitgliedern des Arbeitskreises Shalom und den Gästen, die den Weg in den Spiegelsaal gefunden hatten. Er fühle die Solidarität der Menschen. Der Preisträger traf auch mit dem Eichstätter Bischof, Gregor Maria Hanke zusammen. Auch dieser versicherte seine Solidarität. Der Bruder des Bischofs arbeite im Norden Brasiliens als Priester.

Abschluss der Shalom-Aktion war ein Gottesdienst. Pfarrer Johannes Haas zelebrierte gemeinsam mit dem Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Professor Richard Schenk, und Padre Paulo die Messe. Padre Paulo sagte in seiner Dankesrede bei der Preisverleihung, ebenso wie am Ende des Abschlussgottesdienstes: „Eine andere Welt ist möglich. Eine gerechte Welt, in der alle genug haben. Wir müssen gemeinsam träumen.“ (Ulrike Schurr-Schöpfel)