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Brasilianer kaufen selten nachhaltig

Nachhaltiges und bewusstes Einkaufen ist bei Brasilianern weiterhin die Ausnahme. Nur fünf Prozent der Einwohner können als „bewusste" Käufer bezeichnet werden. Damit bleibt der Anteil der nachhaltigen Käufer gegenüber den Vorjahren annähernd unverändert.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung der Institute Ethos und Akatu, die am 14. Dezember in Sao Paulo vorgestellt wurde. Die Studie analysiert, inwieweit Brasilianer ihre Kaufentscheidungen von der unternehmerischen Sozialverantwortung (CSR) der Hersteller abhängig machen. Für die Untersuchung wurden in diesem Jahr 800 Personen über 16 Jahren in 12 Städten und städtischen Großräumen befragt.

Gleichgültigkeit der neuen Mittelklasse

Als „bewusste Konsumenten“ werden von den Autoren Personen bezeichnet, die beim Einkauf auf ein Gleichgewicht zwischen der Befriedigung persönlicher Bedürfnisse und dem Schutz der Umwelt sowie dem Wohl der Gesellschaft achten und die soziale Verantwortung von Unternehmen anerkennen.
Dieser bewussten Haltung stehen jedoch immer mehr Brasilianer gleichgültig gegenüber. Laut der Studie stieg der Anteil von Personen, denen CSR-Kritierien gleichgültig sind gegenüber dem Vorjahr von 25 Prozent auf 37 Prozent. Daran hat vor allem die „neue Mittelklasse" großen Anteil, die Schätzungen zufolge zwischen 2003 und 2009 auf 29 Millionen Menschen angewachsen ist. Aufgrund des Bevölkerungswachstums sei jedoch der konstante Anteil von fünf Prozent nachhaltigen Käufern positiv zu bewerten. Die Zahl von Konsumenten, die nach CSR-Kritierien einkaufen, sei absolut auf rund 500.000 Brasilianer angewachsen.

Begriff „Nachhaltigkeit“ unbekannt

Viele Brasilianer können jedoch mit dem Begriff "Nachhaltigkeit" nichts anfangen. 56 Prozent der Befragten gaben an, den Begriff noch nie gehört zu haben. Ein Fünftel derjenigen, die angaben, den Begriff zu kennen, konnten ihn nicht erklären. Weitere 19 Prozent gaben eine falsche Definition ab. Lediglich 16 Prozent der Befragten - vor allem Konsumenten mit Hochschulbildung bzw. aus den höchsten Einkommensgruppen - gaben an, sich für das Thema zu interessieren und gezielt Informationen zum Thema zu suchen.

Die Autoren der Studie fordern daher Gesetze und Maßnahmen zur Förderung des nachhaltigen Konsums. Die Reduzierung der Armut im Land und der damit einhergehende Anstieg der Kaufkraft erfordere zudem Aufklärungsarbeit unter den Konsumenten. Der Leitsatz: "Mehr Konsum macht glücklich“ müsse über Bord geworfen werden, da „das Anwachsen der Konsumgesellschaft den Zielen ‚sozialer Zusammenhalt’ und ,Nachhaltigkeit’ diametral entgegensteht“, so die Untersuchung. (bh)

Quelle: Adital