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Bolsonaro will kritische Filme zensieren

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Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro will Filme, die nicht in sein Weltbild passen oder Gesellschaftskritik üben, künftig zensieren oder den Geldhahn abdrehen. "Wenn es keinen Filter geben kann, dann werden wir Ancine abschaffen", hatte der Präsident vergangene Woche angekündigt. Ancine ist die Nationale Agentur für Kino. "Wir arbeiten daran, Ancine abzuschaffen", wiederholte der Staatspräsident am Donnerstag, dem 25. Juli 2019 auf Twitter, seine Drohung.

Die 2011 ins Leben gegründete staatliche Agentur, zu deren Hauptaufgabe die finanzielle Förderung von Filmproduktionen zählt, ist Bolsonaro ein Dorn im Auge. Er habe "herausgefunden", dass die Agentur eine Doku über seine Wahlkampf-Kampagne fördern würde. "Wir sind nicht einverstanden damit, dass öffentliche Gelder für solche Filme verwendet werden", so Bolsonaro auf Twitter. Zuvor hatte es einen Schlagabtausch mit der Ancine-Direktion über die Einführung von Zensur-Filtern gegeben, was diese mit Hinweis auf das Zensur-Verbot in der Verfassung ablehnte.

Nicht nur regierungskritische Produktionen will Bolsonaro künftig das Leben schwer machen. "Ich kann nicht erlauben, dass Filme wie Bruna Surfistinha mit öffentlichem Geld gefördert werden", befand der Politiker den Langfilm vom Regisseur Marcus Baldini (2011) über ein Mittelklasse-Mädchen, das Prostituierte wird, für zensurwürdig. Als ersten Schritt der Einflussnahme auf Ancine wurdem zuletzt die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat verändert. Waren bisher unabhängige Filmschaffende in der Überzahl, sitzen nun sieben Minister drei Regierungsunabhängigen gegenüber. (bb)

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