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Bolsonaro stoppt in Brasilien Corona-Maßnahmen in Indigenengebieten

In Brasilien verhindert Präsident Bolsonaro ein Gesetz zur Eindämmung des Coronavirus, das Indigenen Trinkwasser und Krankenhausbetten garantieren sollte. Die Programme würden den Staat zu viel Geld kosten.

Indigene in Brasilien gelten als besonders gefährdet durch eine Corona-Erkrankung zu sterben. Foto: Jürgen Escher/ Adveniat

Brasiliens rechtsextreme Präsident Jair Messias Bolsonaro hat mit seinem Veto 14 Maßnahmen eines Gesetzes zur Bekämpfung der Verbreitung von Covid-19 in Indigenengebieten gestoppt. Das berichteten örtliche Medien am Mittwoch (Ortszeit). Dazu gehört die Verpflichtung der Regierung, den Indigenen Trinkwasser, Hygieneprodukte sowie Krankenhausbetten zur Verfügung zu stellen. Auch gegen den erleichterten Zugang zu Sozialhilfe sowie Hilfsgeldern für die Landwirtschaft legte Bolsonaro sein Veto ein. Hilfswerke kritisierten das Vorgehen des Präsidenten.

Das um besagte 14 Punkte gekürzte Gesetz wurde am Mittwoch im Amtsblatt veröffentlicht. Es stuft Indigene, Nachfahren von entlaufenen Sklaven (Quilombolas) sowie andere traditionelle Gemeinschaften als durch das Coronavirus besonders gefährdet ein. Allerdings fehlen dem Gesetz nun wichtige Kernpunkte. Der Kongress kann die präsidentiellen Einsprüche jedoch noch überstimmen.

Das Gesetz war am 16. Juni vom Senat abgesegnet worden und wartete seitdem auf die Unterschrift des Präsidenten. Es sah vor, dass sowohl die in offiziellen Indigenengebieten wie auch in nicht registrierten Gebieten lebenden Indigenen vor Covid-19 geschützt werden sollten - etwa durch die Einrichtung von Intensivstationen mit Beatmungsgeräten.

Bolsonaro legte sein Veto zudem auch gegen den Aufbau von Internetzugängen in entlegenen Dörfern ein. Auch Mittel zur Erstellung von Broschüren über Covid-19 für die Indigenen wurden gestoppt. Zudem nahm er Erleichterungen für den Zugang zu Krediten für landwirtschaftliche Projekte zurück. Auch die Verteilung von Lebensmittelpaketen durch Organe der Zentralregierung wurde beendet. Als Begründung gab die Regierung an, dass das Gesetz den Bund zu weitreichenden Finanzleistungen verpflichtet, ohne deren Konsequenzen für den Haushalt zu bedenken.

Indigene in Brasilien sterben häufiger an den Folgen des Virus

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat beklagte, dass mit dem Stopp der Corona-Maßnahmen Bolsonaro die Indigenen in den Tod treibe. "Es wird immer wieder deutlich, dass das Immunsystem der Indigenen nicht auf einen solchen Virus vorbereitet ist, und die Indigenen aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung deutlich häufiger an den Folgen der Infizierung mit dem Covid-19-Virus sterben", erklärte der Leiter der Projektabteilung, Thomas Wieland, am Donnerstag in Essen.

Auch der Adveniat-Projektpartner und katholische Indigenenmissionsrat Cimi äußerte seine Sorge: "Die Vetos des Präsidenten bekräftigen die Vorurteile, den Hass und die Gewalt der gegenwärtigen Regierung gegenüber indigenen Völkern, Quilombolas und traditionellen Bevölkerungsgruppen."

Laut der Indigenenvereinigung Apib ist die Sterblichkeit bei Covid-Erkrankungen unter den Indigenen in Brasilien doppelt so hoch wie in der restlichen Bevölkerung. Anfang Juli hatte Apib erklärt, dass 10.341 Indigene mit dem Coronavirus infiziert worden seien, 408 Indigene seien gestorben. Die Zahl der infizierten Indigenen sei binnen eines Monats um 500 Prozent gestiegen.

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