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Bolsonaro in Washington: Trump trifft "Tropen-Trump"

Der erste Staatsbesuch des brasilianischen Präsidenten ist vermutlich schon der wichtigste seiner Amtszeit. Bolsonaro reist in die USA, um sich der Weltmacht im Norden als Unterstützer anzudienen.

US-Außenminister Pompeo bei Bolsonaros Vereidigung (Foto: State Department photo/ Public Domain)

Das ist neu: Noch nie hat ein brasilianischer Präsident so demonstrativ die Vormacht der USA nicht nur in Lateinamerika, sondern in der Weltpolitik anerkannt. Selbst im Kalten Krieg, als in Brasilien die Militärs an der Macht waren, hielt Brasilia mehr Abstand zu Washington, als es Bolsonaro jetzt vorhat. Dessen Außenminister bewundert Trump als den "Retter des Westens".

Bei dem Treffen wird es auf die Chemie zwischen Trump und Bolsonaro ankommen. Da treffen zwei impulsive, cholerische Politiker aufeinander, beide lassen sich nicht von ihren Beratern beeinflussen und handeln auch selten mit Rücksicht auf langfristige Strategien.

Gemeinsamkeiten...

Trump und der in internationalen Medien oftmals als "Tropen-Trump" bezeichnete Bolsonaro sind in ihrer Politik einander ähnlich. Beide bedienen gekonnt über soziale Medien die Erwartungen ihrer Anhänger. Das hat entscheidend zu ihrem Wahlsieg als politische Außenseiter beigetragen. Beide wurden überraschend in ihre Ämter gewählt - auch für sie selbst. Entsprechend chaotisch ging die Übernahme des jeweiligen Regierungsapparates vor sich. Beider Verhältnis zu Parlament und Justiz ist spannungsladen. Gewaltenteilung halten sie beide für hinderlich und überflüssig. Von ihren Anhängern werden sie wie Erretter gefeiert, die "fürs Volk" regieren - anders als die angefeindete Politikerkaste zuvor.

Sie setzen antidemokratische, Minderheiten verletzende, frauenfeindliche, gewaltverherrlichende Sprüche bewusst als Strategie ein, um permanent Aufmerksamkeit zu erzeugen, die Medienöffentlichkeit zu dominieren und ihre Fans zu beglücken. Beide verherrlichen die Vergangenheit, als alles noch besser und in Ordnung war. Sie unterstützen die Waffenlobbys in ihren Ländern. Sie sind Anti-Globalisten. Sie verhehlen nicht, dass sie den Klimawandel für eine Mär halten und internationale Organisationen für lästig. Sie eint der Hass auf traditionelle Medien.

... und Unterschiede

Aber es gibt auch große Unterschiede: So stellt sich Trump als erfolgreicher Unternehmer und Multimilliardär dar - auch wenn er die Öffentlichkeit über seine wahren Vermögensverhältnisse gezielt und mit allen Mitteln im Unklaren lässt. Er ist gut vernetzt, Teil des Jet-Sets der USA und seit vielen Jahren ein TV-Promi. "Dealmaking" ist für ihn die Maxime allen Handelns. Es geht ihm stets um den eigenen Vorteil - oder eben jetzt "America First".

Bolsonaro dagegen ist ein vergleichsweise erfolgloser Ex-Berufssoldat. Als Hauptmann saß er 15 Tage in der Arrestzelle, bevor er in die Reserve wechselte. Danach verbrachte er sechs Legislaturperioden im Parlament als Hinterbänkler, wo er sich als Interessenvertreter der pensionierten Militärs profilierte, ohne sonderlich Einfluss in der Politik zu gewinnen. Er ist weder wohlhabend noch gut vernetzt, wenn man vom Militär und den Milizen Rio de Janeiros absieht. Er kennt die Welt kaum. Er macht aber, anders als Trump, auch keinen Hehl daraus, dass er auf viele Fragen keine Antworten weiß.

Ungleich verteilt ist die gegenseitige Wertschätzung: Während Bolsonaro aus seiner Bewunderung für Trump keinen Hehl macht, gilt das umgekehrt nicht. Für Trump ist der unverhoffte Alliierte in Südamerika ein Präsent, für das er sich bisher kaum erkenntlich zeigen musste. Das dürfte sich jetzt ändern.

Klare Ziele

Bei aller Bewunderung hat Bolsonaro für seine Staatsvisite klare innenpolitische Ziele. Mit der Reise zum mächtigsten Mann der Welt will er bei seinen Wählern punkten: Bei den Evangelikalen kommt gut an, dass er sich in den USA zunächst mit Gläubigen trifft. Brasilianische Unternehmer und Investoren, die auf Bolsonaro setzen, hoffen darauf, dass Trump den Eintritt Brasiliens in die OECD, also den Club der Industrieländer, billigen wird; bisher sträuben sich die USA dagegen. Und die Militärs, die in Bolsonaros Kabinett dominieren, hoffen darauf, dass Brasilien ein enger Alliierter der USA außerhalb der Nato wird, ein so genannter Major Non-Nato-Ally. Damit bekämen sie besseren Zugang zu Militärgerät aus den USA. Auch ein gemeinsamer Betrieb der Raketenbasis in Alcântara, einer brasilianischen Kleinstadt am Äquator, wäre für die Militärs attraktiv.

Die Wunschliste der Brasilianer ist lang - die der USA dagegen kurz. Dort steht vor allem eines: Venezuela. Für Trump ist ein Ende der Diktatur in der Karibik wichtig für die Wahlen in eineinhalb Jahren. Er braucht dazu jede logistische, möglicherweise auch militärische Unterstützung Brasiliens.

Fazit: Auf den ersten Blick spricht alles dafür, dass die beiden Präsidenten eine neue Ära der Beziehungen zwischen Brasilien und den USA einleiten werden. Wie lange sie anhält, und was das für andere Weltregionen wie Europa oder China bedeutet, das lässt sich derzeit schlecht prognostizieren.

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