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Boliviens Chefdiplomat in Berlin

Eine mehrtaegige Europa-Reise nach Frankreich und England führte Boliviens Außenminister David Choquehuanca am 19. Oktober auch nach Berlin. Neben Gesprächen mit hochrangigen Regierungsvertretern am Nachmittag, darunter Außenminister Guido Westerwelle und Gesundheitsminister Daniel Bahr (beide FDP), spricht Boliviens erster indigener Cehfdiplomat am Abend im Ibero-Amerikanischen Insititut (IAI) über das in der neuen Verfassung des Andenlandes verankerte Konzept des Guten Lebens (Buen Vivir).

"Ich kaue selber Koka", warb Choquehuanca auf einer gut besuchten Pressekonferenz im Berliner Park-Inn-Hotel für eine Reform der UN-Rahmenkonvention über Betäubungsmittel. Der seit 1961 in Kraft befindliche Völkerrechtsvertrag verbietet das traditionelle Kauen der Koka-Blätter. Bolivien macht seine weitere Mitgliedschaft in dem internationalen Abkommen von der Legalisierung des Koka-Kauens abhängig.

Auf keinen Fall dürfe das Koka-Blatt mit Kokain verwechselt werden, erklärte Choquehuanca den Journalisten. Zahlreiche Studien renommierter Universitäten in den USA und Asien hätten die "guten Wirkungen von Koka für die Gesundheit und als Nahrungsmittel" längst belegt. Den Anti-Drogenkampf werde man nicht vernachlässigen, der jüngste Bercht der UN-Behörde für Drogen und Suchtmittel habe "Boliviens Erfolge in der Verringerung von Koka-Blatt-Anpflanzungen lobend hervorgehoben", sagte der Außenminister.

Es sei endlich an der Zeit, das Koka-Blatt von der Liste verbotener Substanzen zu streichen. Dies sei auch in Hinblick auf die Begleichung der historischen Schuld gegenüber der indigenen Völker angebracht, so der Aymara-stämmige Politiker der regierenden "Bewegung zum Sozialismus" (MAS).

186 UN-Mitgliedsstaaten müssen Boliviens Vorschlag zur Reformierung der Drogenkonvention mittragen. Auf die Frage, warum Choquehuanca nicht nach Spanien gereist sei, antwortete dieser: "Spanien ist mit uns ganz einer Meinung". (bb)