Kolumbien |

Bogotá nähert sich NATO

In Brüssel haben Kolumbien und die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) am Mittwoch, 26. Juni, einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Inhalt des Abkommens ist laut Medienberichten der Beginn einer direkten Zusammenarbeit und Austausch von Informationen. Kolumbien ist damit das erste Land in Lateinamerika, das mit dem westlichen Militärbündnis mit Sitz in Brüssel zusammengeht.

Kolumbiens Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón versuchte am Mittwoch, erste Irritationen südamerikanischer Regierungen wie Brasilien, Argentinien und Venezuela zu zerstreuen. „Kolumbien ist weder Mitglied noch will es Mitglied des Bündnisses werden“, rechtfertigte der Minister auf einer Pressekonferenz die „Modernisierung der kolumbianischen Streitkräfte“. Auch die NATO erklärte, dass Kolumbien „kein Mitgliedsstatus erteilt wird“. Das Abkommen sei „ein erster Schritt in Richtung künftiger Zusammenarbeit“, wie sie zwischen dem 1949 gegründeten Militärbündnis und Staaten wie Australien, Neuseeland und Japan besteht.

Matthias Dembinsky vom Peace Research Institut in Frankfurt (PRIF) nannte die Annäherung zwischen NATO und Kolumbien eine Chance, damit sich „die Selbstwahrnehmung einer Armee als Teil der Gesellschaft und Unterstützung für die Regierung eines demokratischen Staates“ ändert. Keinesfalls würde die Kooperation bedeuten, dass sich „Kolumbien in ein Einfallstor der NATO in Lateinamerika verwandelt“, so der Sicherheitsexperte gegenüber der Deutschen Welle Español.

Von ähnlichen Kooperationsverträgen, etwa mit ehemaligen Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes, wisse man, dass eine Zusammenarbeit „nicht mehr bedeutet als gemeinsame Übungen, Informationsaustausch und auch die Möglichkeit der Teilnahme an NATO-Operationen, wie etwa in Afghanistan“, so Dembinsky.

Argentinien hat seit 1998 den Status eines „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ der USA. Zwar ist dieser von der US-Regierung vergebene Status nicht zu vergleichen mit einer NATO-Mitgliedschaft. Doch können die insgesamt 15 „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“, darunter Länder wie Israel, Australien und Süd-Korea, auf militärisch wichtige Vorteile zählen, wie gemeinsame Forschung, Verleih von Rüstungsgütern, Waffen- und Weltraumtechnikkauf, US-Rüstungskredite, Militärausbildung und die Teilnahme an Ausschreibungen des US-Verteidigungsministeriums. (bb)