|

Bistümer feiern Partnerschafts-Jubiläen

Das Bolivienmobil in Trier. Foto: Bistum Trier
Das Bolivienmobil in Trier. Foto: Bistum Trier

Geschmückt mit bunten Luftballons, Blumen, Girlanden und Spruchbändern trifft der Bus aus Copacabana in Trier ein. Für das Jubiläumsjahr der Diözesan-Partnerschaft zwischen Bolivien und der Stadt an der Mosel sollte das typisch bolivianische Fortbewegungsmittel ein wenig lateinamerikanisches Lebensgefühl vermitteln. Denn Busfahren ist in Bolivien die wichtigste Form der Fortbewegung. Auch der Blick in den Bus ließ den Besucher ein Stück Bolivien erleben: Mit Fotos, Texten und Accessoires stand das „Bolivienmobil“ das Jubiläumsjahr über im Mittelpunkt der Aktionen als Ausstellungsstätte, Aktionsfahrtzeug und als Treffpunkt.

Zwei Dutzend Bistümer pflegen weltkirchliche Partnerschaften

Die Partnerschaft zwischen der Diözese Trier und Bolivien besteht seit nunmehr 51 Jahren. Weltkirchliche Partnerschaften wie diese pflegen etwa zwei Dutzend der 27 Diözesen in Deutschland - vor allem mit Bistümern in Lateinamerika, aber auch in Afrika, Asien und Osteuropa. Rund um das Jahr 2011 feiern zahlreiche Diözesen ihre Jubiläen. Die Partnerschaft zwischen Aachen und Kolumbien feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Auf 25 Jahre gemeinsames Wirken blicken Freiburg und Peru zurück. In München und Hildesheim laufen bereits die Vorbereitungen für ihre Partnerschaftsjubiläen im kommenden Jahr mit Ecuador und Bolivien. München bereitet sich dabei auf sein goldenes, Hildesheim auf sein silbernes Jubiläum vor.

Am Anfang standen die „Adveniat-Patenschaften“

Die Patenschaften sind eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils. Schon 1957 hatte Papst Pius XII. auf die sich verändernde Situation der Kirche hingewiesen, die sich aufgrund der Bevölkerungsentwicklung um die Jahrtausendwende ergeben werde: Die Hälfte aller katholischen Christen werde dann in Lateinamerika leben. Mitte des 20. Jahrhunderts waren dort aber nur etwa zehn Prozent aller Priester und Ordensleute tätig. Diese Entwicklung verlangte eine weltweite Mitsorge in dem Bemühen, in Lateinamerika die geistlichen Berufe zu fördern. In einer direkten Hilfe für Priesterkandidaten und -ausbildungsstätten in Lateinamerika sah die deutsche Kirche den besten Weg für eine Unterstützung. Adveniat, damals eigens dafür gegründet, sollte die Hilfe organisieren und koordinieren. Anfang der 1960er Jahre übernahm jede westdeutsche Diözese eine damals sogenannte „Adveniat-Patenschaft“ für ein Land in Lateinamerika.

Von der Patenschaft zur Partnerschaft

Bei den Patenschaften stand die Unterstützung der pastoralen und sozialen Arbeit in dem lateinamerikanischen Land im Vordergrund. Es wurden jedoch auch finanzielle Mittel zum Aufbau von Gebäuden und Straßen zur Verfügung gestellt. Sehr bald schon sahen die deutschen Mitarbeiter ihre primäre Aufgabe jedoch nicht mehr nur darin, zu helfen und zu lehren. Immer stärker setzte sich das Bewusstsein durch, nicht nur zu geben, sondern im großen Maße auch zu empfangen. Sie erlebten Gastfreundschaft, Freundlichkeit, Toleranz und Akzeptanz und teilten eine große Vielfalt von Lebens- und Glaubenserfahrungen mit den Menschen. Aus der Patenschaft wurde so eine Partnerschaft mit dem Ziel, voneinander zu lernen und den eigenen Blick zu weiten. So entstanden neue Freundschaften, Vorurteile wurden abgebaut und interkulturelle Lernprozesse angestoßen.

Drei Säulen tragen die Partnerschaft

Die drei Säulen, die diese Partnerschaften ausmachen, nahm der Caritaswissenschaftler Klaus Baumann bei einer Tagung zum 25-jährigen Partnerschafts-Jubiläum zwischen Peru und Freiburg in den Blick: Kommunikation, Spiritualität und Solidarität. Die Partnerschaft sei wie ein Schemel mit drei Beinen: Jedes werde für die Standfestigkeit gebraucht. Fehle eines, breche er zusammen, so Baumann: „Alle drei zusammen machen eine Partnerschaft tragfähig und belastbar".

Aus der Neuevangelisierung lernen

Eine andere Tiefe bekomme eine Partnerschaft, wenn man miteinander bete und sich solidarisch zeige, betonte Markus Luber. Der Jesuit vom Institut für Weltkirche und Mission in Frankfurt sagte anlässlich des Jubiläums in Freiburg, dass die Christen im Prozess der Globalisierung Orientierung geben könnten. Ihre Theologie hätte von Anfang an die ganze Menschheit im Blick gehabt. Luber wies darauf hin, dass neue Theologien aus den Entwicklungsländern für die Kirche in Europa Bedeutung hätten. Denn sie bemühten sich, das Evangelium von der aktuellen Situation der Menschen her zu bedenken.

Mehr „in eigenen Hände“ übergeben

Trotz aller Chancen gibt es nach wie vor auch Herausforderungen in der Partnerschaftsarbeit. Da ist zunächst die Distanz in Sprache und Kultur zwischen den Partnerländern. Zudem seien viele Partnerschaften noch „sehr von Deutschen geprägt”, auch die „Kräfte vor Ort bleiben Deutsche”. Die Eigenverantwortung der Partner sei zu stärken und mehr „in eigene Hände” zu übergeben, sagt Ludwig Kuhn, Geschäftsführer der Diözesanstelle Weltkirche in Trier.

Jubiläumsjahr gibt Raum für Begegnungen

Ob im „Bolivienmobil“, in der Kirche oder auf dem Gemeindefest - besonders wichtig für den partnerschaftlichen Umgang miteinander sind und bleiben konkrete Begegnungen mit dem Partnerland. Raum für das gegenseitige Kennenlernen bieten in den Jubiläumsjahren die zahlreichen Aktionen, die Gemeindemitglieder der Partnergemeinden in Deutschland und Lateinamerika zusammenbringen.

Autor: Mareille Landau