Guatemala |

Bischofsmörder erhält Haftverschonung

Der wegen Mordes an einem Bischof in Guatemala verurteilte Ex-Oberst Byron Disrael Lima Estrada kommt vorzeitig aus dem Gefängnis frei. Ein Gericht in Guatemala-Stadt gab dem Antrag des heute 80-Jährigen statt und ordnete die sofortige Haftentlassung an, wie die guatemaltekische Online-Zeitung „El Periodico“ (Samstag) meldete. Lima war 2001 gemeinsam mit zwei weiteren Militärs und einem Priester für schuldig befunden worden, 1998 den Weihbischof Juan Gerardi Conedera getötet zu haben. Das Strafmaß von 30 Jahren Haft wurde später auf 20 Jahre gesenkt. Nach einem Herzinfarkt verbrachte Lima laut der Zeitung die vergangenen vier Jahre in einem Militärkrankenhaus.

Das Menschenrechtsbüro des Erzbistums Guatemala kritisierte die Freilassung. Lima habe an einer „grausamen Tat“ mitgewirkt und verdiene keine Milde; allerdings sei die Kirche an dem Verfahren zur Haftentlassung nicht beteiligt worden, zitierte die Zeitung die kirchliche Stelle. Die Erzdiözese war seinerzeit als Nebenklägerin im Mordprozess aufgetreten. Gerardi, Vorsitzender der kirchlichen Wahrheitskommission in Guatemala, war in der Nacht zum 26. April 1998 in der Garage seines Pfarrhauses erschlagen worden. Zwei Tage zuvor hatte er eine Dokumentation veröffentlicht, die dem Militär umfangreiche Menschenrechtsverletzungen während des 36-jährigen Bürgerkrieges zur Last legt. Der Mord an Gerardi ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Verfahren gegen mutmaßli-che Hintermänner sind noch immer anhängig.

Quelle: KNA