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Bischof kritisiert Umleitung des Sao Francisco "€“ Flusses

Die Umleitung des Sao Francisco Flusses in den wasserarmen Nordosten Brasiliens bedeutet eine schwere Belastung für die Umwelt und die Fauna der Region. Zudem sei das Projekt ohne die Anhörung der Bevölkerung von der Regierung in Brasilia durchgedrückt worden, so der Bischof von Floresta, Adriano Ciocca Vasino laut einer Mitteilung des Indio-Missionsrates CIMI.

"Das Problem der Umleitung des Sao Francisco hat viel Ähnlichkeit mit all dem, was im Bundesstaat Para rund um den Bau des Belo Monte Staudammes geschieht, so Bischof Vasino. "Die Bundesregierung erlässt einfach von oben nach unten ein Dekret, ohne das Projekt zu debatieren." Die wenigen öffentlichen Anhörungen unter Anwesenheit der Bevölkerung, die tatsächlich durchgeführt worden sind, seien letztlich nichts weiter als Makelatur, so der Bischof während der derzeit laufenden 48. Vollversammlung der Brasilianischen Bischofskonferenz CNBB in Brasilia.

Die Diözese Floresta, im nordöstlichen Bundesland Pernambuco gelegen, ist besonders von der Umleitung betroffen. Hier beginnt ein Kanal der Wasser des Flusses in östliche Richtung umleitet. Ein zweiter weiter westlich im Bau befindlicher Kanal leitet Wasser Richtung Norden um. Zusammen haben beide Kanäle eine Länge von 700 Kilometern.

Das umstrittene Projekt soll gut 5 Milliarden Reais teuer sein und Trinkwasser in die Dürreregionen des semiariden Nordostens bringen. Es gilt als Prestigeprojekt von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, der selber aus dem armen Landesinneren von
Pernambuco stammt. Kritiker vermuten dass das Wasser für die landwirtschaftliche
Erschließung der Region durch Großunternehmen des Agro-Business verwendet werden soll. Umweltschützer und Sozialforscher halten den Bau von Zisternen für wesentlich geeigneter um den Wassermangel in der Region zu bekämpfen. Zugleich befürchten sie um das natürliche Gleichgewicht der Region.

"Entlang des Flusses finden eine Vielzahl von Arbeiten statt, und die Auswirkungen auf die Umwelt sind immens," so der Bischof. Gleichzeitig würden die von der Regierung versprochenen Entschädigungen für die lokale Bevölkerung nicht ankommen. "Wir, die wir die Gemeinden betreuen, sehen das Leiden in den Gesichtern der Bevölkerung."

"Während der Fluss sich langsam immer mehr verändert, werden die Menschen nicht (von der Regierung) angehört." Laut dem Bischof werden Baumbestände in einer Tiefe
von jeweils 200 Metern zu beiden Seiten der Kanäle abgeschlagen. Über die gesamte Länge des Projektes ergebe sich dadurch eine "enorme Schneise durch die lokale Biodiversität", so der Bischof. Die betroffenen Bauern hätten von der Regierung
lediglich eine Entschädigung von 50 Reais pro Hektar erhalten.

Zu Beginn des Projektes sei der Kontakt mit der Regierung gut gewesen. Damals habe man mit dem zuständigen Minister für die nationale Integration über das Projekt gesprochen. "Als sie danach merkten dass wir mit Repräsentanten der betroffenen Bevölkerung und den Kleinbauern zusammenarbeiteten wurde der Kontakt von Seiten des Ministeriums komplett gekappt," so Bischof Vasino. "Wir sind lediglich darum bemüht die Situation für die Betroffenen zu verbessern," resümierte er.

Die katholische Kirche hat eine zentrale Rolle beim Widerstand gegen das Projekt. So hat der Bischof von Sobradinho im Bundesstaat Bahia, Luiz Flavio Cappio, eine Reihe von Hungerstreiks gegen das Projekt eingelegt. Der Geistliche wurde daraufhin mit dem Friedenspreis der katholischen Menschenrechtsorganisation Pax Christi International ausgezeichnet. (milz)