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Bischof Kräutler erhält Leopold-Kunschak-Preis

Der im Amazonasgebiet tätige Bischof Erwin Kräutler hat ein Umdenken in Wirtschaft und Entwicklung gefordert. Nicht der Profit, sondern die Menschen und ihre Würde müssten im Mittelpunkt stehen, betonte der aus österreich stammende Bischof von Altamira-Xingu am Dienstag im Interview der Presseagentur Kathpress. Der 73-Jährige erhielt an diesem Tag in Wien den mit 5.000 Euro dotierten "Großen Leopold-Kunschak-Preis 2012" für seinen Einsatz für die indigene Bevölkerung sowie die rechtlosen Landarbeiter und Kleinbauern in Brasilien.

In den vergangenen Jahren hatte Kräutler mit seinem Einsatz gegen die Errichtung des weltweit drittgrößten Staudamms "Belo Monte" im Amazonas für Aufmerksamkeit gesorgt. 80 Prozent des Xingu-Flusses werden dafür abgeleitet und ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometern Regenwald überflutet. Dies zerstöre die Lebensgrundlage der indigenen Bewohner, lasse gewachsene Gemeinschaften zerbrechen und ziehe einen Massenexodus nach sich, so Kräutler. Trotz internationaler Proteste wird der Bau derzeit nach mehreren Unterbrechungen fortgesetzt.

Ein kompletter Baustopp sei bereits unmöglich, da laut Regierungsangaben bereits zwei Milliarden Euro "verpulvert" seien, erläuterte der Bischof: "Die Katastrophe ist bereits geschehen und das Gebiet unwiderruflich beschädigt." Kräutler sieht vor allem die Menschenwürde in Gefahr. Es bestehe die Gefahr, "dass die Menschen auf der Strecke bleiben", wenn man sie aus ihrer Heimat vertreibe, ohne eine Alternative anzubieten.

Appelle seiner Kritiker, die Kirche solle sich auf ihre religiösen Aufgaben besinnen, wies Kräutler zurück: "Ich bin nicht für die religiöse Dimension, sondern für die Menschen verantwortlich, denen ich als Bischof zu dienen habe." - Die Leopold-Kunschak-Preise sind nach dem Begründer der christlich-sozialen Arbeitnehmerbewegung in österreich (1871-1953) benannt.

Quelle: KNA