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Bischof José Luis Azcona erhält Menschenrechtspreis

Der Bischof von Marajó wurde am 10. November in der Föderalen Universität von Rio de Janeiro mit dem João Canuto-Preis geehrt. Die von der Bewegung für Menschenrechte (MhuD) vergebene Auszeichnung erhielt Bischof Azcona für seinen mutigen Einsatz gegen Kinderprostitution auf der Insel Marajó.

Todesdrohungen der Mafia

Die von 250.000 Menschen bewohnte Insel liegt im Nordosten Brasiliens, im Mündungsgebiet des Amazonas (Bundesstaat Pará). Sie ist mit einer Fläche von 40.100 Quadratkilometern fast so groß wie die Schweiz. Durch die nahen und unübersichtlichen Dschungelgrenzen zu Kolumbien, Peru, Ecuador, Venezuela und Französisch-Guayana wird die Region von Menschenhändlerringen genutzt, die dort Minderjährige für die Prostitution in Ländern wie Spanien, Italien, Surinam oder Französisch-Guayana suchen.

Bischof Azcana ist Mitglied der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden sowie der nationalen Bischofskonferenz der Region Pará y Amapá. Er kämpft seit Jahren gegen die gravierenden Menschenrechtsverletzungen von Frauen, Jugendlichen und Kindern im Zusammenhang mit Menschenhandel und Prostitution. Aus diesem Grund erhielt er immer wieder Todesdrohungen der Mafia.

Kinder werden verkauft

„Nicht einmal das Militär handelt, dabei ist das eine Grenzregion, in der alles Mögliche geschmuggelt wird: Frauen, Drogen, Waffen, Fauna und Flora. Die Polizeitruppen streiten untereinander, wer die Schweigegelder kassiert, damit die Drogenschmuggler unbehelligt mit ihren Schnellbooten durchfahren dürfen. Der Staat ist nur in den größeren Gemeinden präsent, die Drogenschmuggler aber kommen überall hin. Und die Menschen vor Ort sind in einer so großen Not, dass sie für ein paar Groschen mit den Drogenhändlern kooperieren. Oder eben ihren Körper oder ihre Kinder verkaufen“, schildert Bischof Azcona im Interview mit Adveniat die dramatische Situation vor Ort.

Der João Canuto-Preis wird von der Organisation MhuD seit 2004 verliehen. Die Organisation will damit die Arbeit bestehender Organisationen und Gruppen sichtbarer machen, die gegen Menschenrechtsverletzungen ankämpfen. Neben Bischof José Luis Azcona wurden in diesem Jahr noch sechse weitere Personen mit dem Preis ausgezeichnet. (bh)

Reportage:Brasilianische Kirche klagt Kinderprostitution im Amazonasgebiet an