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Bischöfe kritisieren fehlerhaftes Wahlsystem und ineffiziente Wirtschaft

Zum Abschluss ihrer Vollversammlung hat die Venezolanische Bischofskonferenz eine kritische Bilanz der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation gezogen. Eine Entwaffnungsinitiative der Regierung findet dagegen ausdrücklich die Zustimmung der katholischen Kirche. Blickpunkt Lateinamerika fasst die wesentlichen Aussagen der Abschlusserklärung zusammen.

Der Wahlprozess am 14. April 2013, bei dem Nicolas Maduro als Kandidat der regierenden Sozialisten nach offiziellen Angaben mit knapper Mehrheit wiedergewählt wurde, habe nach Ansicht der Bischöfe offenbart, dass es „im Wahlsystem ernste Fehler gebe" und dass während des Wahlkampfes "eine der beteiligten Gruppierungen bevorteilt“ worden sei.

Die Ereignisse rund um die Wahl habe erneut die tiefe Spaltung des venezolanischen Volkes demonstriert. Das Wohl des Landes verlange aber „ein gegenseitiges Verständnis der beiden Lager und die Suche nach einer gemeinsamen Plattform, die es erlaubt, die Probleme zu lösen. Eine Lösung, die bedeute, diejenigen zu zerstören, die nicht in gleicher Weise denken, sei nicht akzeptabel.“

Das Land erlebe derzeit eine Wirtschaftskrise mit starker Inflation und einem Mangel an Lebensmitteln und dringend notwendigen Produkten des alltäglichen Lebens. Ziel der Behörden müsse es ein, gemeinsam mit der Wirtschaft, dem Handel und den zuständigen Institutionen ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Dieses Klima müsse eine Reaktivierung der Produktion und ein sozioökonomisches Wachstum möglich machen, das der Allgemeinheit, vor allem aber den sozial schwächsten Teilen der Bevölkerung, zu Gute komme.

Ausdrücklich lobten die Bischöfe eine Initiative der Regierung, die Gewalt im Land zu bekämpfen. Obwohl es noch zu verfrüht sei, über den Erfolg des neuen Entwaffnungs-Gesetzes zu urteilen, rufe die Kirche auf, diesen Plan zu unterstützen.

Zugleich zeigten sich die Bischöfe besorgt über die aggressive und disqualifizierende Sprache von Mitgliedern der Regierung sowie über zunehmende Unsicherheit und Gewalt, der die Bevölkerung im ganzen Land ausgesetzt sei.

Die Bischöfe erinnerten zugleich an die Worte von Papst Franziskus, die das Kirchenoberhaupt jüngst an die Venezolaner richtete: "Ich lade das geliebte venezolanische Volk und besonders seine verantwortlichen Institutionen und Politiker ein, dass sie fest und geschlossen jede Art von Gewalt ablehnen und einen auf Wahrheit und gegenseitiger Anerkennung basierenden Dialog etablieren, der dem Wohl und der Liebe der Nation diene." (TK)