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Bischöfe bleiben Vereidigung Maduros aus Protest fern

Venezuela Gottesdienst Bischof Mario Moronta Adveniat

Bischof Mario Moronta feiert einen Gottesdienst in der Kathedrale von San Cristóbal, Venezuela. 

Für die katholische Kirche in Venezuela ist die Lage klar: So kann es nicht weitergehen, sagt Maracaibos Erzbischof Jose Luis Azuaje, der amtierende Vorsitzende der Venezolanischen Bischofskonferenz. "Das Land hat keine Zukunft, wenn es den bisherigen Weg weiter beschreitet". Und Azuaje legt nach: Wenn Präsident Nicolas Maduro am heutigen Donnerstag, 10. Januar 2019, für sechs weitere Jahre seinen Amtseid leiste, dann sei diese neue Amtsperiode illegitim und moralisch inakzeptabel. Venezuelas Bischöfe haben deswegen ihre Entscheidung schon getroffen: Sie bleiben der Zeremonie fern.

In ihrer offiziellen Verlautbarung vom 9. Januar 2019 schreiben die Bischöfe, dass die Mehrheit der Bevölkerung Maduros "Politik des Hungers, der politischen Verfolgung, die militärische und polizeiliche Unterdrückung, Folter, Korruption und Ineffizienz der öffentlichen Hand" ablehne. Weiter heißt es: "Wir Venezolaner dürfen nicht einfach nur Zuschauer dessen sein, was im Land passiert. Denn wir sind Bürger und als solche in erster Linie Akteure", auch wenn die Verteidigung der Freiheit bereits viel Blut und Leid gekostet habe. Es sei Aufgabe der Bürger und Institutionen, die aktuelle Krise zu überwinden und das Land mit seinen Werten und Möglichkeiten wiederzuerlangen. Neben den Bischöfen hat auch die Nationalversammlung dem Präsidenten die Anerkennung verweigert. Das von Maduro entmachtete und durch eine Verfassunggebende Versammlung ersetzte Parlament ist zahnlos, der klare Wahlsieg der Opposition von 2015 inzwischen politisch wertlos.

Millionen Venezolaner auf der Flucht

Venezuela wird seit Jahren von einer heftigen innenpolitischen Krise erschüttert. Was 2014, im Jahr nach dem Krebstod von Revolutionsführer Hugo Chavez und dem anschließend bereits umstrittenen Wahlsieg von Maduro mit Massenprotesten im ganzen Land begann, hat seine Fortführung in einem riesigen Massenexodus gefunden. Bislang haben rund drei Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen - wegen der anhaltenden Versorgungskrise, der hohen Kriminalitätsrate, der grassierenden Inflation und der staatlichen Repression. Amnesty International wirft der Regierung Maduro eine Mitschuld für Tausende außergerichtliche Hinrichtungen im Land vor; Human Rights Watch spricht von Folter und Gewalt auf Geheiß der Sozialisten in Caracas. Die Vereinten Nationen entwerfen für das gerade erst begonnene Jahr ein düsteres Szenario: Bis Ende 2019 könnten noch einmal weitere zwei bis drei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela hinzukommen. Schon jetzt kommen die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien sowie im weiteren Umfeld Ecuador, Peru, Argentinien und Chile mit ihren humanitären Anstrengungen kaum hinterher.

Vermittlungsversuche des Vatikans bislang erfolglos

Besonders heftig ist die Kritik an Maduro im Nachbarland Kolumbien. Das traditionell eher konservativ regierte Land und das seit 20 Jahren sozialistisch geführte Venezuela trennt eine tiefe politische Rivalität. Kolumbiens Präsident Ivan Duque, selbst erst seit einigen Monaten im Amt, verweigert ebenso wie viele andere lateinamerikanische Länder Maduro die Anerkennung. Der reagiert in Richtung Bogota mit Spott und nennt Duque einen Söldner der USA. "Ivan Duque geht in Kolumbien nicht einmal auf die Toilette, ohne vorher den Botschafter der Gringos zu fragen." Unmittelbar vor der Vereidigung meldete sich auch noch einmal Papst Franziskus zu Wort. Das Kirchenoberhaupt aus Argentinien rief dazu auf, in Venezuela und im unter ähnlichen Problemen leidenden Nicaragua die Suche nach institutionellen, pazifistischen Wegen zur Lösung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise nicht aufzugeben. Etwas deutlicher drückt es der emeritierte Erzbischof von Coro, Roberto Lückert Leon, aus: "Der Papst fürchtet sich vor einer Diktatur in Venezuela", sagte Lückert dem kolumbianischen Sender W-Radio.

Venezuelas Sozialisten glauben derweil an eine Wiederaufnahme des trotz vatikanischer Bemühungen gescheiterten Dialogs. Diosdado Cabello, die Nummer zwei im Machtgefüge hinter Nicolas Maduro, ist überzeugt: "Die Opposition ist bereit, mit uns zu sprechen." Alle bisherigen Versuche, die tief zerstrittenen Lager an einen Tisch zu bringen, auch jener des Vatikan, sind allerdings bislang erfolglos verlaufen.

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