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Biosprit macht Hunger

Noch Anfang des vergangenen Jahres galt er als Wundermittel gegen den Klimawandel, nun gerät sein Ruf zunehmend ins Wanken. Der Biosprit. Jüngst äußerte sich der Entwicklungsminister Dirk Niebel kritisch gegenüber E10. Mit Blick auf weltweit steigende Getreidepreise und eine drohende Hungerkrise in Entwicklungsländern hat der FDP-Politiker einen Verkaufsstopp in Deutschland gefordert. Es handele sich um einen "Konflikt zwischen Tank und Teller ", sagte der Minister am 15. August dem Fernsehsender n-tv.

Der FDP-Umweltpolitiker Horst Meierhofer sagte im Deutschlandfunk, man habe den Biosprit zur weiteren Verringerung des CO2-Ausstoßes eingeführt, jedoch das Ziel von fünf Prozent Einsparung nicht erreicht. Kein Wunder, denn bei näherem Hinsehen wird schnell deutlich, dass das Wundermittel gegen den Klimawandel den Ausstoß von Treibhausgasen sogar noch steigern und gleichzeitig das Welthungerproblem zuspitzen wird.

Hektarweise Regenwald werden in Asien, aber vor allem auch in Lateinamerika abgeholzt, um den angeblich sauberen Kraftstoff anzubauen. Doch mit jedem fallenden Baum wird ein Teil der wertvollen CO2-Senken zerstört. Die durch die Rodung freigelegten Torfmoore setzen weitere Treibhausgase frei und mit den Wäldern verschwinden unwiderruflich wertvolle Wasserspeicher. Viele Regionen Brasiliens, wie zum Beispiel der südliche Bundesstaat Mato Grosso do Sul, haben sich bereits zu Wüstenregionen verwandelt.

Regenwälder werden zu Sojawüsten

Im Nachbarland Paraguay macht der Vizepräsident der nationalen Bischofskonferenz, Edmundo Valenzuela, ähnliche Beobachtungen: „Die Abholzung des Waldes ist ein sehr ernstes Problem. Die Erde, die ohnehin sehr salzig ist, verwandelt sich zunehmend in eine Wüste.“ Zudem führe der Sojaanbau auch zu einem Versorgungsproblem: „Das Land, das für den Sojaanbau genutzt wird, steht nicht zum Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung. Soja ist für den Export in die EU oder die Vereinigten Staaten bestimmt, um daraus Biodiesel oder Tierfutter zu machen.“ Der Anbau von typischen paraguayischen Nahrungsmitteln wie Maniok, Mais, Reis oder Kartoffeln bleibe dabei auf der Strecke.

Für die vielfach in den Wäldern lebende indigene Bevölkerung ergibt sich durch die Ausbreitung der Sojaplantagen eine doppelte Notlage. Ihnen wird der Lebensraum und damit ihre Nahrungsgrundlage genommen. Gewaltsam, häufig mit Hilfe des Militärs, werden sie von ihren seit Jahrhunderten angestammten Gebieten vertrieben, um den Großgrundbesitzern und ihren Plantagenwüsten Platz zu machen. Landgrabbing gehört in Argentinien, dem weltweit größten Exporteur von Biodiesel, und auch in Paraguay und anderen Nationen zum Alltag. Die Kleinbauern geraten in Konkurrenz mit den großen Plantagen zunehmend in Konkurrenzdruck. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Landkonflikte zwischen Vertriebenen, Campesinos und Großgrundbesitzern.

Einsatz von Pestiziden führt zu Krankheiten

Hinzu kommt, dass die Bevölkerung, die in unmittelbarer Nähe der Sojafelder lebt, zunehmend an gesundheitlichen Problemen leidet. Der Einsatz von Pestiziden führt zu dauerhaften Krankheiten. Hautausschläge, Haarausfall, Tiersterben und Todgeburten sind im Umkreis der Felder keine Seltenheit.

Solange die EU nicht von ihrer Forderung abweicht, dass bis 2020 10 Prozent des Kraftsstoffverbrauchs aus Agrarstoffen gespeist wird, werden Welthunger, Landgrabbing und Treibhauseffekt auch weiterhin in Asien, Lateinamerika und Afrika ihren Nährboden finden.

Autorin: Mareille Landau

Ein Großteil der Landflächen Paraguays befindet sich in Händen brasilianischer Großgrundbesitzer. Kleinbauern geraten dadurch finanziell unter Druck. Foto: Escher/Adveniat


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