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Bewohner der Favela Rocinha fordern Respekt

Nachdem am 13. November rund 3.000 Polizisten und Soldaten die Favela Rocinha in Rio de Janeiro besetzt haben, fordern Bewohner und soziale Organisationen in einer Erklärung Respekt für die Anwohner. Die Aktion mit dem Namen „Choque de Paz“ war die 19. Besetzung einer Favela mit einer polizeilichen Befriedungstruppe (UPP). Sie ist Teil eines Plans, der die Präsenz von insgesamt 40 Einheiten in Favelas der Stadt vorsieht.

In der Erklärung heißt es, man sei besorgt wegen möglicher gewaltsamer Übergriffe der Polizei auf Anwohner und fordere von der Regierung Garantien für die Einhaltung der Menschenrechte. Die Organisationen begründen ihre Sorge mit der ausufernden Gewalt, die im Jahr 2010 bei der Besetzung der Favela „Complejo Alemán“ seitens der Sicherheitskräfte angewandt worden war.

Anwohner fürchten Übergriffe durch Sicherheitskräfte

„Mit Unterstützung und Beteiligung der Armee wurden von Beamten in Ausübung ihrer Funktion verschiedene Straftaten und Verbrechen begangen. Regierungsmitglieder, Abgeordnete und die Medien ignorieren jedoch die Anzeigen von Anwohnern und Organisationen der Zivilgesellschaft, obwohl die Übergriffe im Nachhinein durch eine Untersuchung der Bundespolizei bestätigt worden waren“, wird in dem Schreiben an die Vorfälle vor knapp einem Jahr erinnert.

Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl, brutale Übergriffe, Schläge und Schnellverfahren, Beugungshaft und Verhaftung ohne Beweise sowie räuberische Erpressung durch kriminellen Polizisten werde man nicht zulassen, unterstreichen die Bewohner.

In der Favela Rocinha leben zwischen 150.000 und 200.000 Menschen. Die Regierung hat im Zuge von Olympiade und Fußball-WM Investitionen von umgerechnet 41 Mio. Euro in die soziale Infrastruktur versprochen. Geplant sind eine Kinderbibliothek, ein Jugendzentrum, ein ökopark und die Urbanisierung der wichtigsten Punkte der Favela. In Aussicht gestellt wurden weitere 292 Mio. Euro aus dem Infrastrukturprogramm PAC 2 für den Bau städtischer Infrastruktur sowie den Bau einer Seilbahn in die Favela. (bh)

Quelle: Adital