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Bessere Medikamentenversorgung für alle

Brasilien strebt den Ausbau seiner Pharmaproduktion an. So will das größte südamerikanische Land künftig mehr eigene Arzneimittel herstellen und zum größten Lieferanten von Medikamenten gegen die Chagas-Krankheit aufsteigen.

Wie Gesundheitsminister Alexandre Padilha unlängst bekannt gab, wird die Herstellung der Chagas-Präparate auf Wunsch von Organisationen der multilateralen Zusammenarbeit verdoppelt. Erreichbar sei das Ziel dank der bewährten Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Laboratorien.

Wie von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation empfohlen, stellt Brasilien derzeit 1,2 Millionen Tabletten gegen die durch Raubwanzen übertragene Krankheit her. Padilha zufolge soll die Produktion bis Ende des Jahres auf 2,4 Millionen Pillen hochgefahren werden. Allein 225.000 Tabletten sind für die Organisation Ärzte ohne Grenzen bestimmt.

2008 hatte sich Brasilien bereits zum alleinigen Chagas-Medikamentenhersteller erklärt, nachdem das staatliche Labor Lafepe im nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco die Wirkstoffbestände vom internationalen Pharmakonzern Roche übernommen hatte.

Chronische Infektionen

Die Chagas-Krankheit wird durch den Parasiten ´Tripanosoma cruzi´ übertragen, mit dem sich Menschen über den Kontakt mit den Exkrementen der Wanze infizieren. In Brasilien treten zwar keine Neuinfektionen mehr auf, jedoch müssen noch viele chronische Fälle behandelt werden.

Die Krankheit kommt vor allem in Lateinamerika vor. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es in den 21 Ländern, in denen die Chagas-Krankheit endemisch ist, zurzeit etwa acht Millionen Infizierte. 1990 war die Zahl noch doppelt so hoch.

"Der Zugang zu Medikamenten steht an zentraler Stelle im Gesundheitsrecht", sagte Padilha. Die Zusammenarbeit mit der einheimischen Industrie sei daher grundlegend, um das öffentliche Gesundheitssystem (SUS) zu unterstützen. Padilha sieht in der Gründung von SUS vor 23 Jahren das richtige Rezept, um allen Bürgern den Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Die Qualität der Behandlungen müsse allerdings erheblich verbessert werden, mahnte Padilha. Der Minister wies jedoch zugleich darauf hin, dass der Rückgang der Tuberkulose-Fälle um 40 Prozent in den vergangenen zehn Jahren auf die Erfolge bei der Armutsbekämpfung zurückzuführen sei. In dieser Zeitspanne entkamen 36 Millionen Brasilianer der absoluten Armut.

Ungleichheit in Gesundheitsversorgung

Dennoch gilt Brasilien weiterhin als Land mit starken sozialen Gegensätzen. Diese Ungleichheit zeigt sich auch beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Experten sehen eine Ausweitung der Pharmaproduktion als Voraussetzung, um mehr Menschen medizinisch behandeln zu können.

Padilha berichtete ferner von Plänen, biotechnologische Medikamente herzustellen, um die Kosten etwa für Arzneien gegen Krebs oder gegen einige Infektionskrankheiten zu senken und um die Mittel somit mehr Menschen zugänglich machen zu können. Bisher wird nur ein Prozent aller brasilianischen Medikamente biotechnologisch hergestellt.

Fabiana Ortiz, IPS-Weltblick