Kolumbien |

Besorgnis wegen zunehmender Selbstmorde indigener Jugendlicher

Porträt eines Embera-Jungen, dessen Familie vertrieben wurde und jetzt am Stadtrand von Bogotá lebt. Foto: Niño Embera, Ocha Colombia, Linda Mendoza Ramírez, CC BY-SA 4.0

Im Departamento Antioquia im Nordwesten Kolumbiens wächst die Besorgnis wegen zunehmender Selbstmorde indigener Jugendlicher. Wie die Tageszeitung „El Espectador“ am Freitag, 11. Januar 2019, berichtet, würden sich jährlich durchschnittlich sechs indigene Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren das Leben nehmen, so das Blatt unter Berufung auf Zahlen der Indigenenorganisation von Antioquia (OIA). OIA-Präsident Leonardo Domicó zufolge seien die Hintergründe für die Suizide noch nicht abschließend geklärt. 

Allerdings deute vieles darauf hin, dass die anhaltende Diskriminierung der ethnischen Minderheiten in Kolumbien, fehlende Zukunftsperpektiven und die Angst vor Zwangsrekrutierungen durch bewaffnete Gruppen Auslöser sein könnten. „Immer wieder wird von innerfamiliärer Gewalt gesprochen, von Problemen in der Selbstverwaltung, seelischen Problemen. Aber ursächlich sind die mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten für die Jugendlichen und die fehlende Bearbeitung dieses Problems“, fordert Domicó Hilfe von der Politik.

Zuletzt hatte sich die zwölf Jahre alte Embera-Indígena Yacira Domicó Domicó, Tochter des Dorfrichters, im eigenen Haus erhängt. Das junge Mädchen, das verhaltensauffällig aggressiv gewesen sei, hatte bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich, berichtet „El Espectador“. Für die Dorfgemeinschaft lautet die Erklärung, das Mädchen sei von „bösen Geistern“ besessen gewesen. Die örtlichen Behörden hatten erst nach dem Suizid von dem Fall erfahren, das Mädchen hätte psychologischer Behandlung bedurft. (bb)

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