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Bergbau: Ein Schlag ins Wasser

Ob Argentinien, Chile, Ecuador oder Peru – Proteste gegen den Bergbau ziehen sich durch ganz Lateinamerika, 2012 gab es bereits zahlreiche großangelegte Protesttage gegen das, was die betroffene Bevölkerung als eine Plage empfindet. Häufig sind es Indigene und Campesinos, die ihre Heimatgemeinden verlassen, um in den politischen Machtzentren ihren Ärger kundzutun. Den Regierenden wird klar gemacht, dass Bergbauprojekte eine Bedrohung darstellen, da das Wasser verunreinigt würde oder Quellen sogar zum Versiegen kommen könnten. Wo Wasser knapp wird, steigt außerdem sein Preis.

Verlockung hoher Rohstoffeinnahmen

Der gesellschaftliche Widerstand hat es in Zeiten des Rohstoffbooms nicht leicht: Die starke Nachfrage verspricht hohe Einnahmen. Im Zweifelsfall werden Umweltbedenken hintangestellt. Der Konflikt um den Bergbau geht oft einher mit einem zweiten: Es geht um die Frage der Privatisierung des Grundgutes Wasser. Gegen diese richten sich die Proteste in Lateinamerika ebenfalls. Erfolge sind durchaus zu verzeichnen: So erkennt die Verfassung Ecuadors das Grundrecht der Menschen auf Wasser an, und in Argentinien ist seit Oktober 2010 das viel beachtete „Gletschergesetz“ in Kraft. In der Praxis allerdings kommt es zu Konflikten. Nach Überzeugung der kanadischen Umweltaktivistin Maude Barlow ist die Förderung von Rohstoffen mit dem Schutz des Wassers grundsätzlich nicht vereinbar.

„Progressive“ Regierungen fördern Bergbau

Bemerkenswerterweise fanden die meisten Proteste in jenen Ländern statt, die von vermeintlich progressiven Kräften regiert werden: In Argentinien, Ecuador und Peru. Hatten diese im Wahlkampf noch die breite Bevölkerung mobilisiert, um an die Macht zu kommen, so interessieren sie ihre Wahlversprechen in der Regierungspraxis nicht mehr. Was dazu führt, dass aus einstigen Unterstützern vielfach entschiedene Gegner geworden sind.

Protest wird als wachstumsfeindlich diffamiert

Minenprojekte verschlingen Millionen von Litern an Wasser. Dieses ist hinterher mit Metallen und anderen Substanzen verschmutzt. Der Bergsteiger Agustín Aramayo hat auf dem Gipfel des Aconcagua, des höchsten Berges des gesamten amerikanischen Kontinents, ein Protestschild aufgestellt. Haarsträubend, was in der zentralargentinischen Provinz Neuquén geplant wird: Dort soll Wasser aus einem unterirdischen Vorkommen in Flaschen abgefüllt und als „Premiumwasser“ exportiert werden – in der Gegend herrscht ein chronischer Mangel an Trinkwasser.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner lässt sich von den Protesten gegen den Bergbau nicht beeindrucken und hat ihre uneingeschränkte Unterstützung bekundet. Bei der Eröffnung einer Mine erklärte sie kürzlich, die Demonstrationen verschreckten die Menschen und seien unverantwortlich, da sie sich der Notwendigkeit von Entwicklung und Wachstum verschlössen. Der Bergbau schaffe gut dotierte Arbeitsplätze für Hochqualifizierte.

Quecksilber und Zyanid verwendet

In Peru forderten Protestierende, die sich auf einen 800 Kilometer langen Marsch in die Hauptstadt Lima begeben hatten, im Februar eine Verfassungsreform: Wasser solle zu einem Menschenrecht erklärt und der Bergbau in ökologisch sensiblen Gebieten verboten werden. Auch dürften künftig kein Quecksilber und Zyanid mehr verwendet werden, wie es vor allem bei der Goldförderung üblich ist.

Druck führt zu Dialog

In Ecuador setze sich im März ein indigener Protestmarsch Richtung Quito in Bewegung, der ebenfalls das Thema Wasser auf die Agenda setzte. Präsident Rafael Correa ließ Parallel-Märsche organisieren, in allen Provinzhauptstädten, durch welche die Protestierenden kamen. In Quitos Botanischem Garten, dem Parque El Arbolito, hatte der Präsident Regierungsanhänger versammelt, als der Protestzug schließlich eintraf. Die Getreuen mussten jedoch weichen: Rund 40.000 Demonstranten waren in die Hauptstadt geströmt.

Alle Präsidenten warfen den Bergbaugegnern zunächst vor, die Schaffung von Wohlstand zu verhindern. Am Ende jedoch waren sie dazu gezwungen, den Dialog mit ihren Kritikern aufzunehmen. Präsidentin Fernández etwa betonte auf einmal die Notwendigkeit, schonend mit der Umwelt umzugehen.

Text: Luis Ángel Saavedra

Quelle: www.noticiasaliadas.org, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel