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Beobachterstelle für Migration eingerichtet

Weiße Sandstrände, kristallklares Wasser und Palmen – so stellen sich die meisten die Karibik vor. Dass die Staaten der Region nicht nur Touristen, sondern auch unzählige Migranten aus anderen Entwicklungsländern anziehen, ist weniger bekannt. Nun will sich die Region mit Unterstützung der EU ein genaues Bild vom Ausmaß der Zuwanderung verschaffen.

Wie Stelios Christopoulos, der Leiter der EU-Delegation, während eines Workshops in Trinidad und Tobago erklärte, herrsche weltweit Einigkeit in der Frage, dass Migration reguliert werden müsse. Aufgrund des bestehenden Datendefizits sei es jedoch schwierig, verlässliche Angaben über die Zuwanderung in die karibischen Länder zu machen.

Mit Hilfe eines Pilotprojekts, an dem sich zwölf afrikanische, karibische und pazifische Staaten (AKP) beteiligen, sollen die Informationslücken geschlossen werden. Das Vorhaben zielt darauf ab, die nationalen und regionalen Behörden bei der Beschaffung und Auswertung von Informationen sowie bei der Entwicklung angemessener Strategien zu unterstützen.

Datensammelstelle

"Die AKP-Beobachterstelle für Migration halte ich für sehr wichtig", erklärte Christopoulos vor Delegierten aus AKP-Staaten, die sich zu dem Trainingskurs in Trinidad und Tobago eingefunden hatten. Die AKP-Beobachterstelle für Migration ist eine Initiative des AKP-Sekretariats und wird von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zusammen mit 15 Partnern durchgeführt. Finanziert wird das Projekt von der EU.

"Das Sammeln von Daten ist ein wichtiger Prozess, damit die AKP-Länder planen können", sagte der Leiter der AKP-Beobachterstelle, Laurent De Boeck. Es gehe darum, Informationen über den Süd-Süd-Migrationsfluss im afrikanisch-karibisch-pazifischen Raum zusammenzutragen, um Zuwanderer, Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträger zu befähigen, die Situation der Migranten zu verbessern.

Trinidad und Tobago sowie Haiti sind die beiden einzigen Staaten der Karibik, die an dem Pilotprojekt mitwirken. Die anderen beteiligten Länder sind Angola, die Demokratische Republik Kongo (DRC), Kamerun, Kenia, Lesotho, Nigeria, Papua-Neuguinea, Osttimor und Tansania. Ähnliche Trainingskurse fanden bereits in Senegal und Osttimor statt. Den Organisatoren zufolge werden Themen wie Arbeits- und unkontrollierte Migration, Frauen- und Menschenrechte behandelt.

Die Entscheidung, den internationalen Workshop in Trinidad und Tobago auszurichten, unterstreiche die Bereitschaft der Regierung von Port of Spain, sich als zuverlässiger Partner an der Auseinandersetzung mit den vielen Gesichtern des weltweiten Phänomens der Migration zu erweisen, erklärte die Staatssekretärin im trinidadischen Ministerium für nationale Sicherheit, Jennifer Boucard-Blake.

Wachsende Süd-Süd-Migration

Boucard-Blake wies darauf hin, dass der Zustrom von Flüchtlingen aus dem Süden in den Norden ab-, die Süd-Süd-Migration hingegen zunehme. Um die positiven und negativen Aspekte der Migration erkennen zu können, sei es wichtig, mehr über das Phänomen zu wissen. "Migranten können einerseits zu einem wirtschaftlichen Wachstum sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielländern beitragen, andererseits die dortigen Bildungs-, Gesundheits- und Transportsysteme unnötig belasten."

Christopoulos thematisierte in diesem Zusammenhang auch das Problem des Brain Drain. Es gebe viele Länder, die durch den Exodus ihrer Fachkräfte größte Schwierigkeiten hätten, ihren Bürgern qualitativ hochwertige und bezahlbare Sozialleistungen zur Verfügung zu stellen, sagte er. Sie hätten zudem mit einem großen Wohlstands- und Entwicklungsgefälle zu kämpfen. Schätzungen zufolge handelt es sich bei den karibischen Emigranten, die in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihr Glück suchen, zu 70 Prozent um Hochschulabsolventen.

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Emigration aus der Karibik in zwei Schüben erfolgte. Der erste begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ein erhöhter Bedarf an ausgebildeten und weniger ausgebildeten Arbeitskräften bestand.

Die zweite Migrationswelle setzte Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre ein. Sie war das Ergebnis einer erhöhten Nachfrage nach Fachkräften und Dienstleistern in Nordamerika und eines sozialen Niedergangs in den karibischen Ländern.

Obwohl ein Mangel an Informationen über die Wanderbewegungen aus der Karibik fehlen, so lässt sich Christopoulos zufolge mit Sicherheit sagen, "dass die Karibik gemessen am Anteil der Bevölkerung zu den Weltregionen mit der größten Diaspora gehört". Zu den wichtigsten Arbeitskräfte-Exportländern gehören Kuba, die Dominikanische Republik, Haiti, Jamaika und Guyana. Die Hauptzielländer sind die USA, Kanada und Großbritannien. Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IMF) zeigen, dass karibischen Arbeitsmigranten mit ihren Auslandsüberweisungen 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ihrer Heimatländer erwirtschaften.

Autor: Peter Richards (IPS)