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Bekannter Journalist flieht nach Costa Rica

Carlos Fernando Chamorro (r.) bei einem Festival (Copyright: David Estrada/FNPI, FNPI, CC BY-SA 2.0)

Polizisten sind in die Redaktionsräume der nicaraguanischen Wochenzeitung “Confidencial” und der Fernsehprogramme “Esta Semana” und “Esta Noche” eingedrungen. Sie hatten Computer und Unterlagen beschlagnahmt, die Einrichtung beschädigten und Mitarbeiter bedroht. Die Zeitung mit Sitz in Nicaraguas Hauptstadt Managua ist eine der kritischsten Stimmen gegen das Regime des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega. Ihr Herausgeber Carlos Fernando Chamorro einer der bekanntesten Journalisten des Landes. Sein Vater Pedro Joaquín hatte sich als Verleger der Zeitung "La Prensa" gegen die Diktatur von Anatasio Somoza aufgelehnt und wurde 1978 ermordet. Carlos Fernando ist nun fünf Wochen nach dem Überfall auf seine Redaktion ins Exil nach Costa Rica gegangen.

In seiner Jugend hatte er selbst offen den Kampf der Sandinisten gegen die Somoza-Diktatur unterstützt. Chamorro erklärte seine Entscheidung in einem Video auf Facebook, das bereits in der costa-ricanischen Hauptstadt San José gedreht worden war. Er führte seine Entscheidung auf die “extremen Drohungen” zurück, denen sich er und andere Journalisten im Zuge der Angriffe gegen unabhängige Medien ausgesetzt sehen. Nicaragua zu verlassen, sei der einzige Weg, seine “körperliche Integrität und Freiheit” zu schützen. Dabei hatte er während der sich verschärfenden Krise wiederholt erklärt, dass man ihn nicht aus dem Land würde drängen können. “Ich bin hier und hier werde ich bleiben”, hatte Chamorro der britischen Zeitung “The Guardian” im vergangenen Monat noch gesagt, nachdem die Polizei die Büroräume in Managua gestürmt und besetzt hatte. Doch der Angriff auf die Medien ist weitergegangen und hat sich sogar noch verschärft.

Weitere Angriffe auf die Pressefreiheit

Eine Woche nach  “El Confidencial” und “Esta Semana” drangen Polizisten in die Räume von “100% Notícias” ein, besetzten den Sender und nahmen zwei seiner Journalisten, Lucía Pineda und Miguel Mora, fest. Tausende Nicaraguaner, unter ihnen nach Angaben der Bewegung “Periodistas y Comunicadores Independientes de Nicaragua” mehr als 50 Journalisten, sind ins Exil geflohen. In der vergangenen Woche erschien Nicaraguas größte Zeitung “La Prensa” mit einer nahezu leeren ersten Seite. Nur die Frage “Haben Sie sich vorgestellt, ohne Information zu leben?” mit der Aufforderung, den Platz für eigene Überschriften zu nutzen, war zu lesen. Die Vorschläge der Leser beinhalteten “Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber man kann die Wahrheit nicht zum Schweigen bringen“, „SOS Nicaragua“ und „Nicaragua erklärt sich selbst zur Ortega-freien Zone“.

Die Social Media-Kampagne entsprang aus Protest gegen den offensichtlichen Versuch des Regimes, die Zeitung durch die Rationierung von Papier zum Schweigen zu bringen. Chamorro und sein Team haben es zunächst geschafft, unter anderem von einem Hotel aus, sowohl die digitale Publikation als auch das Fernsehprogramm in Nicaragua am Laufen zu halten. In einem Artikel auf der Internetseite von “El Confidencial” fordert Carlos Fernando Chamorro die Nicaraguaner auf, soziale Medien weiter zu nutzen, um Daniel Ortega anzuklagen und schwört, seinen eigenen Journalismus von Costa Rica aus weiterzuführen, wo sich eine nicaraguanische Exilgemeinschaft gebildet hat, die stetig weiter wächst. Der costa-ricanische Präsident Carlos Alvarado versicherte, nachdem er von der Ankunft Chamorros in der Hauptstadt San José erfahren hatte und bevor er zum Weltwirtschaftsforum in Davos aufbrach, dass sein Land immer die Meinungsfreiheit und die journalistische Arbeit verteidigen werde. Carlos Fernando Chamorro schreibt in seinem Artikel auch: “Ich bin der Überzeugung, dass vor Nicaragua bessere Tage liegen.” 

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