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Beim Katastrophenschutz von Kuba lernen

Kaum hat sich das Klimaphänomen La Niña abgeschwächt, drohen der Region mit Beginn der atlantischen Hurrikansaison bereits neue Naturkatastrophen. Denn das Tropical Meterological Project der Colorado State University (CSU) hat für 2011 eine außergewöhnlich hohe Sturmaktivität vorhergesagt.

Bis Ende Oktober rechnen die Meteorologen Philip Klotzbach und William Gray mit 16 Stürmen. Laut der Prognose erreichen neun davon Hurrikanstärke mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 117 km/h. Dass ein Hurrikan aber nicht zwingend hunderte von Menschenleben fordern muss, beweist der bemekenswert gut funktionierende Katastrophenschutz auf Kuba.

Auf der Karibikinsel sind in den vergangenen zehn Jahren bei 14 tropischen Stürmen nach offiziellen Angaben nur 40 Menschen ums Leben gekommen. Und das, obwohl der Inselstaat durch seine Lage am Eingang des Golfes von Mexiko der Hurrikan-Gefahr stark ausgesetzt ist. Statistisch betrachtet erlebt jeder Kubaner mindestens einmal jährlich einen Hurrikan. Im selben Zeitraum mussten auf Haiti in 20 Stürmen knapp 4000 und in Guatemala bei acht Stürmen rund 2000 Menschen ihr Leben lassen.

Jeder weiß, was zu tun ist

Die Grundlage für das Katastrophenschutzsystem Kubas ist ein gut aufgestelltes Team von Meteorologen, die ein frühe Warnung garantieren. Spätestens 72 Stunden bevor der Sturm auf die Insel trifft, wird die kubanische Bevölkerung über Radio und Fernsehen informiert. Entscheidend ist dann, dass jeder Kubaner weiß, was er zu tun hat. Denn ein umfassendes Präventionssystem hat im ganzen Land ein ausgeprägtes Bewusstsein für die große Gefahr durch Hurrikans geschaffen. So steht das Thema tropische Wirbelstürme ab der sechsten Klasse in jeder Schule auf dem Lehrplan. Die Kinder lernen, wie diese entstehen und wie sie sich im Falle eines Sturms zu verhalten haben. Außerdem ist es seit 25 Jahren gesetzliche Pflicht, dass die gesamte Bevölkerung einmal im Jahr an einer Simulationsübung teilnimmt.

Überprüfung der Gebäude

Darüber hinaus identifiziert die Bevölkerung in jeder Gemeinde ein Mal im Jahr Gebäude, die im Falle eines Sturms besonders gefährdet sind. Auch mögliche Notunterkünfte werden ausgemacht. Anhand dieser Daten werden anschließend minutiös Notfallpläne ausgearbeitet. Da die Menschen vor Ort selbst in diese Planung eingebunden sind, kennt jeder die entscheidenden Abläufe im Notfall.

48 Stunden vor Eintreffens eines Sturms wird schließlich mit den Evakuierungen begonnen. Auf Grund der detaillierten Notfallpläne steht fest, wer wo untergebracht wird und in welchen Wohnungen Menschen leben, die Hilfe beim Verlassen ihres Hauses benötigen. Schon zuvor wurden die Notunterkünfte mit Trinkwasser, Medikamenten und Nahrungsmitteln versorgt. Auf Grund des allgemein guten Gesundheitsystems auf Kuba funktioniet die anschließende medizinische Versorgung in den Notunterkünften ebenfalls nahezu einwandfrei.

Katastrophenschutz nur auf Papier

Auch in vielen anderen zentralamerikanischen und karibischen Ländern gibt es formal Katstrophenschutzsysteme. In den meisten Fällen, findet die Umsetzung jedoch nur auf dem Papier statt. Zwar existieren auf nationaler Ebene häufig entsprechende Institutionen und Vorgaben, es gibt jedoch nur selten detaillierte Notfallpläne für einzelne Orte oder Stadtviertel. In der Folge werden die Menschen in den betroffenenen Regionen oft von einem Hurrikan überrascht, sind im Anschluss an den Sturm tagelang von jeglicher Grundversorgung abgeschnitten und warten besonders im ländlichen Raum sehr lange auf Hilfe.

Schwerwiegende wirtschaftliche Folgen

Hurrikans gehen selbstverständlich auch an Kuba nicht spurlos vorüber. Zwar gibt es viele Bemühungen, die Häuser auf der Insel zu verbarrikadieren und die Schäden damit gering zu halten. Trotzdem werden häufig viele Gebäude zerstört. Außerdem sind in vielen Fällen gravierende Ernteausfälle zu beklagen. Die wirtschaftlichen Folgen durch Hurrikans sind auf der Insel folglich meist genau so schwerwiegend wie in anderen Staaten. Allerdings gelingt es auf Kuba, die Bevölkerung zu schützen. Sowohl die Europäische Union (EU) als auch de Vereinten Nationen (UN) haben in der Vergangenheit die Vorbereitung auf den Katastrophenfall auf Kuba als beispielhaft für die gesamte Region bezeichnet.

Anna-Maria Jeske