Argentinien |

Batistas Traum vom Endspiel in Rio

Der Griff ins Archiv soll Mut machen: Immer wieder zeigt das argentinische Fernsehen die Bilder von der Siegerehrung in Peking: Ein strahlender Lionel Messi mit der Goldmedaille um den Hals, ein glücklicher Sergio Batista, der mit der Olympia-Auswahl 2008 dem Land endlich wieder zu einem nennenswerten Fußball-Erfolg geführt hat. Und es zeigt den bärtigen Kämpfer Batista, der 1986 an der Seite Diego Maradonas die Weltmeisterschaft gewann.

Die Bilder, die Argentiniens TV- und Sportsender kurz nach der offiziellen Ernennung Battistas zum neuen Cheftrainer des zweimaligen Fußball-Weltmeisters ausstrahlte, sind aber auch eine Forderung. Batista, der am kommenden Dienstag 48 Jahre alt wird, muss Argentinien wieder zu einer Fußball-Großmacht führen.

Verbandschef freut sich auf einen Neuanfang

Mit der Entscheidung für Batista stellte der mächtige Verbandschef Julio Grondona die Weichen für einen Neuanfang: "Ich freue mich Ihnen diese Entscheidung mitteilen zu dürfen", sagte der Mann mit den kalten Augen bei der Präsentation des Trainers in seiner unnachahmlich höflichen aber auch bestimmenden Art. Das Kapitel Diego Maradona ist damit endgültig beendet. Die sportliche Demütigung von 0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland wird ein für alle mal das Ende der Laufbahn Maradonas als Cheftrainer in seinem Heimatland markieren.

Batista kam nicht wie Maradona vor zwei Jahren im feinen Zwirn zur Teamvorstellung, sondern im Trainingsanzug. Und er richtete sogleich den Blick nach vorn: "Ich bin sehr glücklich. Trainer der Nationalmannschaft zu sein bedeutet eine große Verantwortung zu übernehmen. Damit geht ein großer Traum für mich in Erfüllung und eines meiner großen Ziele."

Maradona fühlt sich übergangen

Und Maradona: Der wird künftig die Rolle des kritischen Kommentators übernehmen. Dass er sich übergangen fühlt, wird die Aufgabe für Batista nicht einfacher machen. Maradona hatte schon gar nicht mehr mit einer Rückholaktion des Verbandes gerechnet. Die "Hand Gottes" schwebte fast zeitgleich in China ein. Dort bezahlten gut betuchte Maradona-Fans umgerechnet 25.000 Euro um bei einem Mittagessen den Erinnerungen von "El Diez" zu lauschen.

Auf Batista warten derweil die Zukunft: Am 17. November wird es für den neuen Cheftrainer erstmals ernst. Im ersten von zwei Duellen binnen weniger Wochen trifft Argentinien in Doha auf den Erzrivalen Brasilien. Im Juli 2011 soll Batista den ersten Titel seit 1987 gewinnen. Dann ist Argentinien als Ausrichter der Copa America, dem ältesten Nationenturnier der Welt, zum Siegen verdammt.

Letztmalig konnten die "Albiceleste" den Titel 1987 einfahren, ein Jahr nach dem WM-Titelgewinn in Mexiko. Seitdem wartet die Nation auf einen großen Titel der A-Nationalmannschaft. Das Olympia-Gold 2008 war ein Trost, mehr nicht. Was aber wirklich zählt, das weiß auch Batista: "Ich denke nur an das letzte Spiel der WM 2014 in Brasilien." Im Land des Erzrivalen soll Argentinien bei der nächsten Weltmeisterschaft endlich den Platz einnehmen, den es nach seinem Selbstverständnis auch verdient.

Autor: Tobias Käufer