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Aymara widersetzen sich Auslosung von Rekruten

Am morgigen Mittwoch, 18. Juni, soll in Peru die umstrittene Auslosung stattfinden, mit der ermittelt wird, welche jungen Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren zum Militärdienst eingezogen werden. Peru hatte 1998 die Wehrpflicht aufgrund zahlreicher Menschenrechtsverletzungen abgeschafft. Nun aber besteht Bedarf an 30.000 Rekruten.

Diskriminierende Möglichkeit des Freikaufs

Der Indigenenverband Unión Nacional de Comunidades Aymaras (UNCA) lehnt das Gesetz, das die Grundlage bildet, ab. Junge Aymara drohten aus ihren Heimatgemeinden gerissen zu werden, in denen sie einen wichtigen Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familie leisteten. Empört äußerte sich UNCA-Präsident Mauro Cruz Layme über die Möglichkeit, sich gegen Zahlung von 1.850 Soles (umgerechnet 730 Dollar) vom zweijährigen Militärdienst freikaufen zu können.

Studenten an öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen nehmen gar nicht erst an der Verlosung teil. Freigestellt sind außerdem all jene, die nachweisen können, dass sie für den Unterhalt ihrer Familie sorgen müssen. Dass dies bei Indigenen auch der Fall sein könnte, davon geht die Regierung offenbar nicht aus. Mauro Cruz Layme stellt klar: „Die jungen Aymara, Quechua, die jungen Indigenen aus dem Amazonasgebiet sind keine Nichtstuer, sie arbeiten. Viele tragen zum Unterhalt ihrer Familie bei und kümmern sich um ihre kleinen Geschwister.“

Peruanisches Militär kein attraktiver Arbeitgeber

Das Losverfahren ruft viel Widerstand vor allem bei jungen Peruanern hervor. Sie prangern die implizite Diskriminierung an. Wer aus Familien, die über Geld und Einfluss verfügten, stamme, könne sich dem Militärdienst entziehen. Wen es treffen wird, lässt sich somit schon voraussagen: vor allem junge arme Peruaner aus den ländlichen Regionen. Kritik richtet sich aber auch vielfach gegen die Bedingungen beim Militär, könnte dieses ja durchaus die Möglichkeit sozialen Aufstiegs bieten, wie es in der Vergangenheit in Peru der Fall war. Dann wäre auch keine Zwangsrekrutierung erforderlich. In den sozialen Netzwerken gibt es eine Initiative, die ungerechte und diskriminierende Auslosung auf den letzten Drücker noch zu verhindern. Auch die Defensoría del Pueblo, vergleichbar der Einrichtung eines Ombudsmanns, appelliert in diesem Sinne an Perus Verteidigungsminister und an Präsident Ollanta Humala (bs)