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Aymara-Neujahr ist Nationalfeiertag

Vor dem weltbekannten Steintor "Puerta del Sol" (Sonnentor) im Tempel von Kalasasaya haben an diesem Dienstag um 6.42 Uhr Ortszeit zehntausende Menschen den "Willka Kuti" (Wiederkunft der Sonne) begangen. Damit begeht Bolivien zum zweiten Mal seit der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert das andine Neujahrsfest als landesweiten Nationalfeiertag. "Die kosmischen Strahlen übertragen viel positive Energie, ein gutes Omen für das kommende Jahr", erklärt César Cocarico, Gouverneur des Hochland-Departamentos La Paz die zentrale Zeremonie des Kultusministeriums in der heiligen Ruinenstadt Tiwanacu 65 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt.

Laut offiziellem Aymara-Kalender hat das Jahr 5519 begonnen. Nach Verabschiedung der neuen Verfassung im Januar 2009 zur legislativen "Neugründung Boliviens" hatte der amtierende Präsident Evo Morales Dekret Nr. 173 erlassen und den traditionellen Feiertag des "Andinen und amazonischen Jahres" zum "Faktor der nationalen Identität" bestimmt. Das Arbeitsministerium hat landesweit alle Arbeitnehmer freigestellt.

Wird im Hochland das Aymara-Jahr begangen, begrüßen die indigenen Nationen des amazonischen Tieflandes "Lucero del Alba" (Morgenlicht). Der Jahreswechsel markiert einen neuen landwirtschaftlichen Erntezyklus, die Sonne gilt als Symbol und Garant für eine erfolgreiche Saat und Ernte. Laut Kultusministerium nehmen in Bolivien rund eine halbe Million Menschen an den Feierlichkeiten an insgesamt 80 verschiedenen Orten teil. (bb)