Bolivien |

Austritt mit Hintertürchen

Boliviens Austritt aus der Wiener Antidrogenkonvention der Vereinten Nationen war ein juristisches Manöver. Am selben Tag, an dem der jüngst erklärte Rückzug aus dem internationalen Vertragswerk von 1961 in Kraft tritt, werde das Andenland seinen Wiedereintritt erklären, stellte UN-Vertreter Pedro Solón am Wochenende in New York klar. Das bolivianische Parlament hatte das internationale Abkommen vor wenigen Tagen gekündigt, da das Verbot der Koka-Pflanze gegen die nationale Verfassung verstößt.

»Wir haben die Konvention gekündigt, um uns am selben Tag des Inkrafttretens der Kündigung wieder anzuschließen, jedoch unter der Bedingung, dass das Koka-Kauen erlaubt wird«, sagte Solón. Die beantragte Ausnahmeregelung, die »nur in Bolivien angewendet wird«, könnte damit am Stichtag des 1. Juli 2012 wirksam werden. »Bolivien verlässt niemanden. Das ganze ist eine Scheidung, um sich neu zu verheiraten, aber ohne sich um die Schwiegermutter kümmern zu müssen«, erklärte der Bolivianer die bolivianische Strategie gegen die »Kriminalisierung der Koka-Pflanze«.

Seit dem Regierungsantritt der »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) im Januar 2005 versucht Bolivien das internationale Verbot des Jahrhunderte alten, traditionellen Koka-Kauens (Acullicu) rückgängig zu machen. Insgesamt 17 Länder würden das Vorhaben des Andenlandes bisher unterstützen, mit den USA stünde man »in Verhandlungen«, hieß es am Sonnabend aus Regierungskreisen. Man sei zudem »gegen jede Umwandlung der Koka-Pflanze in Kokain«, der bolivianische Staat »investiert so viel wie nie in den Kampf gegen den Drogenhandel«, versicherte Solón. (bb)