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Ausschreitungen bei Versteigerung des Libra ölfeldes

Bei der Versteigerung des größten brasilianischen Offshore-ölfeldes Libra kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen den mehr als 1.000 stationierten Polizisten und mehreren hundert Demonstranten. Als eine Gruppe von Demonstranten versuchte, die Auktion zu stürmen, setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein. Augenzeugen zufolge gingen die Sicherheitskräfte dabei relativ willkürlich und äußerst brutal vor. Einige Protestler wurden verletzt. An der Demonstration vor einem Luxushotel im Westen Rio de Janeiros so wie bei weiteren Protesten im ganzen Land nahmen sowohl Studenten und Mitglieder linker Parteien als auch ölarbeiter teil, die bereits seit Ende vergangener Woche streiken.

Internationale Konsortium erhält Förderungsrechte

Die Ausschreibung der Förderungsrechte stand von Beginn an unter scharfer Kritik. Gegner der Versteigerung sehen in der Auktion einen Ausverkauf der brasilianischen Ressourcen an ausländische Firmen. Die Rechte gingen in der Versteigerung an den einzigen Bieter: Ein Konsortium aus der halbstaatlichen Firma Petrobas, zwei Energieriesen aus China sowie den europäischen Unternehmen Shell und Total. Die Voraussetzung für den Zuschlag war, dass der brasilianische Staat einen Anteil von knapp 40 Prozent des geförderten öls erhält. Auch dies bot Anlass zu Kritik von anderer Seite. Durch die Voraussetzungen seien viele private ölfirmen abgeschreckt worden, hieß es seitens einiger ökonomen.

Das ölfeld Libra liegt 180 Kilometer vor der brasilianischen Küste in 6.000 Meter Tiefe. Es wird erwartet, dass die Investitionskosten für die Förderung des schwarzen Goldes in dreistelliger Milliardenhöge liegen. Die Förderung soll ihren vollen Umfang in den Jahren 2018/19 erreichen. Dann soll es möglich sein, bis zu 1,4 Millionen Barrel öl pro Tag zu fördern. Neben der ersten Zahlung in Höhe von fünf Milliarden Euro, die das Konsortium nun zu leisten hat, erwartet die staatliche ölagentur Brasiliens über die Vertragslaufzeit von 35 Jahren Einnahmen von rund 100 Milliarden Euro. (aj)

 

Weitere Informationen im Artikel "Erdöl spaltet Lateinamerika"