Chile |

Ausschreitungen bei Studentenprotesten

Bei den ersten Studentenprotesten dieses akademischen Jahres kam es in Santiago de Chile zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nach offiziellen Angaben zogen rund 300 Protestler ohne die offizielle Genehmigung der Behörden durch die chilenische Hauptstadt. Kurz nach dem Beginn des Protestes begann eine kleine Gruppe radikaler Studenten, die aufgrund der Kapuzen, die sie tragen den Spitznamen capucheros bekommen haben, Steine auf die anwesenden Polizisten zu schmeißen. Als die Protestanten auch nach mehrmaligem Aufforderungen, die Demonstration nicht auflösten, setzte die Polizei Wasserwerfe und Tränengas gegen die Studenten ein. Den Behörden zufolge wurden 30 Teilnehmer verhaftet.

Auch in anderen Städten des südamerikanischen Landes gab es kleinere Demonstrationen. So gingen in Concepciòn, Valaparaìso und Valdivia die Studenten auf die Straße. Im Gegensatz zu den zahlreichen Protesten in den vergangen zwei Jahren, wurden die jetzigen Protestmärsche nicht von der übergreifenden Konföderation der Chilenischen Universitäten (CONFECH) organsiert, sondern fanden unabhängig von dem Dachverband statt.

Die Forderungen von Studenten und Schülern in Chile sind inzwischen knapp zwei Jahre alt. Seit Mai 2011 gab es immer wieder Massendemonstrationen im ganzen Land, die für internationale Aufmerksamkeit sorgten. Die CNFECH fordert eine umfassende Reform des Bildungssystems in Chile. Dies geht in seinen Strukturen zurück auf die Herrschaft Augusto Pinochets und ist von einem extrem hohen Grad an Privatisierung geprägt. Der chilenische Präsident Sebastian Piñera reagierte auf die Proteste, in dem er die Zinsen für Kredite reduzierte und neue Möglichkeiten für Stipendien schaffte. Eine grundlegende Umstrukturierung des Bildungssystems hat es bisher jedoch nicht gegeben. (aj)