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Ausschreitungen bei Gedenken an Militärputsch

Am Rande des Gedenktages zum 40. Jahrestag des Militärputsches gegen den ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende kam es in Santiago de Chile zu Ausschreitungen. Medienberichten zufolge haben mehrere Protestler Barrikaden auf Straßen errichtet und Fahrzeuge angezündet. Nach Angaben der Polizei haben die Beamten rund 70 Demonstranten festgenommen.

Der Innenminister Andres Chadwick machte zum Ende des Gedenktages aber auch deutlich, dass die Regierung mit sehr viel mehr Auseinandersetzungen, ein höherer Anzahl an Protesten und mehr Gewaltbereitschaft gerechnet habe. Dies sei vor allem im Zusammenhang mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre vorausgesagt worden. Das Innenministerium hatte 8.000 Polizisten abgestellt, die für Sicherheit in der Hauptstadt sorgen sollten.

Sebastian Piñera ruft zur Versöhnung auf

Am 11. September vor genau 40 Jahren stürzte das chilenische Militär unter der Leitung von General Augusto Pinochet den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Der Tag markierte den Beginn einer 17-jährigen Militärdiktatur, die als eine der grausamsten der ganzen Region gilt. Zwischen 1973 und 1990 beging die Junta rund 40.000 Menschrechtsverletzungen und mehr als 3.000 Chilenen wurden umgebracht. Bis heute werden noch zahlreiche Menschen vermisst und Augusto Pinochet, der im Jahr 2006 starb, wurde für keines dieser Verbrechen zur Verantwortung gezogen.

Bis heute wird der Putsch unterschiedlich bewertet, auch wenn sich alle Parteien über die Grausamkeit und die Unmenschlichkeit des darauf folgenden Regimes einig sind. So sagte der amtierende Präsident Sebastian Piñera bei der offiziellen Gedenkfeier, dass der Putsch auch das vorhersehbare Ergebnis der Politik Allendes gewesen sei. Piñera rief weiterhin zur Versöhnung auf. Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet, die selber Opfer der Diktatur wurde, hingegen forderte bei einer parallelen Zeremonie, dass zuerst die zahlreichen Verbrechen des Regimes endgültig aufgeklärt werden müssten, bevor echte Versöhnung möglich sei. (aj)