Peru |

Ausnahmezustand wegen Protesten gegen Gasexport

Die Regierung hat am 2. August für 60 Tage den Ausnahmezustand über den Bezirk Echarete im Department Cusco verhängt. Damit reagierte sie auf gewaltsame und von staatlichen Stellen als „Vandalismus“ bezeichnete Protestaktionen der Bevölkerung im Rahmen eines seit mehr als einer Woche andauernden regionalen Streiks, der sich gegen die Umweltverschmutzung durch die Erdgasförderung des Camisea-Projekts richtet. Für die Bewachung der Industrieanlagen sind jetzt mehr als 200 Spezialkräfte der Polizei (Dinoes) im Einsatz, nachts wird die Gegend von Polizeihubschraubern kontrolliert.

Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei sind am 4. August nach Angaben der Ombudsfrau Beatriz Merino 18 Personen durch Gummigeschosse verletzt worden. Lokalen Presseberichten zufolge hätten bewaffnete Demonstranten versucht, auf das Gelände der Pumpanlage P2S zu gelangen. In einem Fall hätten etwa 500 Personen eine Anlage umstellt, andernorts sei es zu Straßenblockaden gekommen.

Das im Jahr 2004 begonnene Camisea-Projekt ist das größte Erdgas-Fördervorhaben in Peru. Die lokale Bevölkerung bemängelt seit Beginn des Projekts die Schädigung von Umwelt und Gesundheit durch das von mehreren multinationalen Konzernen betriebene Vorhaben. Zudem habe die Bevölkerung der Fördergebiete keinen Zugang zum Gas und müsse dieses stattdessen zu einem viel höheren Preis einkaufen, als das exportierte Gas verkauft wird. Einheimische Experten wie der Dekan des peruanischen Ingenieurskollegs, Carlos Herrera Descalzi, stellen auch den wirtschaftlichen Nutzen für das eigene Land in Frage. Herrera kritisiert, dass der peruanischen Bevölkerung nur noch bis 2010 Erdgas zur Verfügung stehe.

Angesichts der starken Polizeipräsenz befürchten lokale Menschenrechtsorganisationen eine verschärfte Repression. Die Vereinigung für die Menschenrechte (APRODEH) rief die Beamten dazu auf, bei ihrem Einsatz die Menschenrechte zu achten und die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu wahren. Die Ombudsfrau Beatriz Merino die gemeinsam mit Vertretern der katholischen Kirche um Vermittlung bemüht ist, rief die staatlichen Stellen dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und forderte ein Ende der Gewalt. (bh)

Quelle: Adital, mit Informationen der Coordinadora Nacional de Radios (CNR)