Brasilien |

"Aufstieg in die Liga der erstklassigen Staaten"

Brasilien feiert ausgelassen Olympiavergabe.

Rio de Janeiro. Fussballstar Pelé standen die Tränen in den Augen, Autor Paulo Coelho wusste gar nicht, wen zuerst umarmen, und Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva strahlte übers ganze Gesicht. "Wir werden die außergewöhnlichste Olympiade veranstalten, die die Welt jemals gesehen hat", verkündete der Staatschef.

Während sich die brasilianische Delegation in Kopenhagen in Nationalflaggen hüllte und "Cidade maravilhosa" (wundervolle Stadt) anstimmte, erschallte zeitgleich tausende Kilometer weiter südlich, am Copacabana-Strand von Rio de Janeiro, ein Freudenschrei aus zehntausenden Kehlen. Wer keine grün-gelben Nationalfahnen zur Hand hatte, zog sich kurzerhand das T-Shirt aus und schwenkte es freudig in der Luft. Hüften wurden geschwungen zu knackigen Samabrhythmen, andere sprangen wie Gummibälle auf und nieder. Ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Rio loves you" grüßte die Welt für diese erste Vergabe von Olympischen Spielen an eine südamerikanische Stadt.

Die Brasilianer hatten am Freitag einen freien Tag bekommen, um der Entscheidung über die Olympiavergabe live beiwohnen zu können. Rios Behörden hatten die Tribüne, auf der die Bekanntgabe - unterbrochen von Musikeinlagen brasilianischer Künstler - live übertragen wurde, direkt am Strand aufgebaut. Wem es unter der brennenden Sonne zu heiß wurde, konnte sich so immer mal wieder ins kühlende Nass des Atlantischen Ozeans stürzen. "Ich bin so glücklich, das ist ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Ich hoffe, wir können die Erwartungen noch übertreffen", jubelte Adriano.

Für Brasilien und insbesondere Lula bedeutet die Olympiavergabe mehr als nur ein Sportereignis: "Damit wird Brasilien erstklassig und lässt die Liga der Länder zweiter Klasse hinter sich", sagt Lula. Der südamerikanische Gigant hat sich in den vergangenen Jahren zur unumstrittenen Führungsmacht in Lateinamerika gemausert, gehört zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt und ist ein privilegierter Partner der USA.
In den Jubel mischten sich jedoch auch ein paar kritische Töne. "Das ist eine große Verantwortung, Rio hat jetzt sieben Jahre Zeit um von Grund auf
umgekrempelt zu werden", warnte der online-Kommentator des Senders O´Globo. "Das wird ein Fest der Korruption", schrieb Alexandre auf der Website des Senders. Und Gustavo sprach gar von einer "Schande". "Statt Schulen und Krankenhäuser bauen wir jetzt Sportstadien."

Autorin: Sandra Weiss