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Auf den Spuren Alexander von Humboldts

 

Der letzte Besuch eines Bundespräsidenten liegt 26 Jahre zurück. In Ecuador will Steinmeier den 250. Geburtstag von Humboldt feiern, aber auch die lange Zeit unterkühlten politischen Beziehungen weiter normalisieren.

Am 14.September 1769 wurde Humboldt in Berlin geboren, sein 250.Geburtstag wird auch in Lateinamerika gefeiert. (Foto: picture-alliance/Heritage-Images)

Bärbel Höhn hat sich in ihrer politischen Karriere schon mit vielen Machtpolitikern angelegt: mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement, als Höhn in der rot-grünen Landeskoalition Umweltministerin war, später mit Clements Nachfolger Peer Steinbrück, und natürlich mit der Grünen-Ikone Joschka Fischer, mit dem sie über den Kosovo-Krieg stritt. Viele haben sich an der hartnäckigen Grünen-Politikerin die Zähne ausgebissen. Rafael Correa, der frühere Präsident Ecuadors, hatte von Höhn nie etwas gehört. Das sollte sich 2014 ändern - und die politischen Beziehungen beider Länder auf eine harte Probe stellen.

Deutschland hat die nachhaltige Entwicklung im Yasuní-Nationalpark im Osten Ecuadors mit 35 Millionen Euro unterstützt. Im Dezember 2014 will sich Bärbel Höhn mit dem Umweltausschuss des Bundestages die Projekte vor Ort ansehen. "Aber das wollte Correa nicht und hat uns wenige Tage zuvor die Einreise nach Ecuador verweigert", erinnert sich Höhn, die damit so gar nicht gerechnet hatte. "Ich war ziemlich überrascht über die Absage, weil die Reise lange vorher angemeldet worden war. Und die Abgeordneten des Umweltausschusses hatten sehr bewusst die Mittel für die Projekte im Yasuní bewilligt."

Ein bizarrer Streit über eine Parlamentarierreise in den Dschungel

Hintergrund: Ecuador hat im Yasuní, der Region mit der höchsten Biodiversität der Erde, kurz zuvor mit der Erdölförderung begonnen. Und will sich nicht von Deutschland in die Karten schauen lassen. Die Regierung in Quito fährt schweres Geschütz auf, spricht von Kolonialismus und Imperialismus und von fehlendem Respekt gegenüber der Souveränität Ecuadors. Es folgt ein monatelanger bizarrer Streit über eine kleine Parlamentarierreise, die Entwicklungszusammenarbeit im Umweltsektor wird auf Eis gelegt, Regierungsverhandlungen verschoben, und erst ein persönliches Gespräch zwischen Präsident Correa und Kanzlerin Angela Merkel sorgt für leichte Entspannung.

"Es gab viele Kräfte in Ecuador, die diesen Konflikt mit Deutschland beenden wollten, insbesondere in der neuen Regierung von Lenín Moreno", erklärt Bärbel Höhn. Nach der Amtsübergabe am 24. Mai 2017 von Correa zu Moreno ist der Weg endlich frei. Bärbel Höhn besucht den Yasuní, nach Absprache mit den Mitgliedern des Umweltausschusses aber allein, sieht sich Projekte an und führt Gespräche. Das alles im September 2017, also fast drei Jahre nach dem ursprünglich geplanten Reisetermin. Ende gut, alles gut? An Deutschland soll es nicht liegen, in der Entwicklungszusammenarbeit fließen jetzt noch mehr Gelder in den Umweltsektor.

Moreno setzt sich deutlich von Correa ab

Der streitbare Rafael Correa als Präsident Ecuadors ist also Geschichte, der frühere Vizepräsident Lenín Moreno verfolgt seit knapp zwei Jahren eine andere Politik. Moreno bricht mit der konfrontativen Politik seines Vorgängers, setzt auf Ausgleich statt auf Polarisierung, streicht den aufgeblähten Staatsapparat drastisch zusammen und steigt außenpolitisch aus der "bolivarischen Achse" mit Kuba, Venezuela und Nicaragua aus. Correa hatte noch fest zum venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro gestanden, diese Zeiten sind unter Moreno definitiv vorbei.

Auch bei der Personalie Julian Assange vertritt Moreno eine konträre Position zu seinem Vorgänger: Hatte Correa dem Wiki-Leaks- Gründer seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl gewährt und dies offensiv als Kampf für die weltweite Pressefreiheit verkauft (während er in Ecuador gegen unliebsame Medien vorging), will Moreno Assange das Asyl entziehen und den australischen Aktivisten so schnell wie möglich loswerden.

Stimmung gegen Venezolaner kippt – von Moreno befördert

Aktuell steht Moreno allerdings heftig in der Kritik. Nachdem ein Venezolaner seine schwangere ecuadorianische Partnerin in Ibarra im Norden Ecuadors auf offener Straße ersticht, stellt der Präsident die Nationalität des Täters in den Vordergrund: "Wir haben ihnen die Türen geöffnet, aber wir werden nicht unsere Sicherheit opfern!" Daraufhin werden Dutzende Venezolaner tätlich angegriffen, viele verlassen Ibarra aus Angst vor weiteren gewalttätigen Angriffen.

Statt zu deeskalieren, verschärft Moreno die Einreisebestimmungen und verlangt von den venezolanischen Flüchtlingen ab sofort ein beglaubigtes Führungszeugnis, das über Vorstrafen Auskunft geben soll. Für die Tausenden Venezolaner, die täglich nach Ecuador fliehen, und die Hunderttausenden, die sich bereits im Land befinden, ein Ding der Unmöglichkeit. "Die Unversehrtheit unserer Mütter, Töchter und Kameradinnen hat oberste Priorität für mich", kontert Moreno die Vorwürfe, er schüre mit seiner Politik Fremdenhass.

Humboldts Reise nach Ecuador 1802

Frank-Walter Steinmeier wird mit Lenín Moreno sicherlich über venezolanische Flüchtlinge sprechen, mit der Reise nach Ecuador will sich der Bundespräsident aber auch auf die Spuren von Alexander von Humboldt begeben. Der Naturforscher hatte Ecuador vor knapp 220 Jahren bereist, noch heute wird er dort verehrt wie ein Held, Hunderte Straßen, Parks und Schulen sind nach dem Wissenschaftler benannt.

"Humboldt hat wie kein anderer die naturwissenschaftliche Forschung mit politischer Haltung zusammengebracht", sagt der Humboldt-Experte Frank Holl, der Wissenschaftler habe den Respekt vor anderen Kulturen vorgelebt. "Die indigenen Ureinwohner hat er nicht herablassend behandelt, sondern mit ihnen auf Augenhöhe gesprochen, alle Menschen waren für ihn gleich", unterstreicht Holl, was ihn von anderen renommierten, aber meist überheblichen Wissenschaftlern unterschieden habe.

Großer Beitrag zur Unabhängigkeit Lateinamerikas

In Ecuador machte sich Humboldt an die sogenannte "Geologie der Pflanzen" und katalogisierte 6200 Pflanzenarten, die "Geburtsstunde der modernen Ökologie", wie Holl es bezeichnet. Neben der vielfältigen Vegetation in der Umgebung der Hauptstadt Quito hatten es dem deutschen Universalgelehrten vor allem die Vulkane angetan. Humboldt besteigt den Chimborazo, den mit 6267 Meter höchsten Berg Ecuadors, kommt dabei so hoch wie kein Mensch zuvor, bricht den Aufstieg wegen einer gewaltigen Gletscherspalte aber bei 5600 Metern ab. "Humboldt war auch Bergbauspezialist", sagt Holl, "er wollte herausfinden, wie es in der Erde ausschaut."

Der Wissenschaftler erforscht außerdem die kalte Meeresströmung an der Pazifikküste, die später Humboldtstrom genannt wird, zu den Galapagosinseln schafft er es nicht, "sonst hätte er vielleicht die Evolutionstheorie entwickelt wie Darwin 30 Jahre später", glaubt Holl. Humboldts Bedeutung für Lateinamerika sei, auch abseits der Forschung, riesig. "Der Freiheitskämpfer Simón Bolívar, mit dem Humboldt befreundet war, hat einmal gesagt: 'Humboldt hat für die Unabhängigkeit Lateinamerikas mehr getan als alle anderen Entdecker zusammen'."

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