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Artenvielfalt für nachhaltige Entwicklung

Auf einem öko-Bauernhof nahe Rio de Janeiro beweisen Forscher seit zwei Jahrzehnten, dass die umweltschonende Herstellung gesunder Agrarprodukte nicht teuer sein muss.

Die Hazienda ´KM 47´ erstreckt sich über eine Fläche von 60 Hektar in der Ortschaft Seropedica, 47 Kilometer von Rio entfernt. Wissenschaftler des staatlichen Instituts für landwirtschaftliche Forschung (EMBRAPA), der Föderalen Agraruniversität von Rio de Janeiro und Vertreter anderer Behörden führen auf dem Gelände seit 1993 Feldstudien durch.

Auf dem Landgut wird Landwirtschaft und Viehzucht ohne Einsatz von Chemikalien betrieben. Ziel ist, die Agrarproduktion zu diversifizieren. Die Erkenntnisse sollen hauptsächlich Kleinbauern zugutekommen, die in Brasilien 75 Prozent der Arbeitskräfte in ländlichen Regionen ausmachen.

"ökologische Landwirtschaft versucht die natürlichen Umweltbedingungen wiederherzustellen. Das dynamische Gleichgewicht wird dort durch Artenvielfalt gesichert", sagte der für EMBRAPA tätige Agronom Ernani Jardim. "Wenn wir die Artenvielfalt reduzieren, kann das zu Krankheiten führen und zu Umweltbedingungen, die ein Ungleichgewicht schaffen."

Biodiversität sowie der nachhaltige Umgang mit Wasser und Böden haben das Grasland in eine Oase verwandelt, in der 50 verschiedene Pflanzenarten wachsen, darunter Obstbäume, Gemüse, Getreide und Futterpflanzen.

Dünger aus Gemüseabfällen und Kuhmist

Die Farm ist ein grünes Paradies in einem ansonsten wenig fruchtbaren Teil der Tiefebene ´Baixada Fluminense´, die dem Großraum Rio de Janeiro zugerechnet wird. Dort wird unter anderem organischer Dünger aus Gemüseabfällen und Mist von Kühen hergestellt, die Biomilch geben. Jeder Hektar brachte pro Jahr Einnahmen von umgerechnet 30.000 US-Dollar, wie Alessandra Carvalho von EMBRAPA erklärte.

Um das Auftreten von Krankheiten zu verhindern, werden resistente Spezies angebaut und optimale Pflanzzeiten ausgesucht. Das zur Bewässerung verwendete Wasser wird ständig kontrolliert, um Pilzbefall zu vermeiden.

Gegen schädliche Insekten werden ´natürliche Feinde´ eingesetzt – pflanzliche Auszüge und in Extremfällen auch Substanzen, die in der organischen Landwirtschaft zulässig sind. Nicht verrottete organische Materialien – so genannter Mulch – werden nicht nur gegen Schädlinge und Krankheiten, sondern auch gegen Unkraut und Erosion eingesetzt.

Auch die Molkerei funktioniert nach organischen Prinzipien. Anstelle von Antibiotika und Parasitoiden werden den Kühen homöopathische Mittel verabreicht. Die Ställe, in die natürliches Licht dringt, werden gut gelüftet. Ziel sei es "das Wohlergehen der Tiere" zu garantieren. Denn wenn das Vieh gut behandelt werde, sei es sel - tener krank, sagte die Veterinärmedizinerin Mónica Florio, die für das Agrarunternehmen ´Pesagro´ im Bundesstaat Rio de Janeiro tätig ist.

Binnen eines Jahres habe sich der gesundheitliche Zustand der Tiere verbessert, erklärte sie. Parasitenbefall und Fortpflanzungsprobleme seien unter Kontrolle gebracht worden. Die Milchproduktion von 13 bis 14 Litern pro Kuh bewertete Florio als "exzellent". Der zusätzliche Kauf von Tierfutter ist demnach nicht nötig, weil die Kühe Gras und andere Futtermittel fressen, die auf dem Bauernhof produziert werden.

Auf einem anderen Teil des Geländes entwickelt der Wissenschaftler Daniel Caravalho von der Föderalen Agraruniversität von Rio de Janeiro Solaranlagen und Bewässerungssysteme, die aus einfachen Materialien hergestellt werden. Er verwendet dazu beispielsweise Bambusrohre oder alte Waschmaschinenteile.

Quelle: IPS Weltblick Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe