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Arbeiter vermessen Land für Staudammprojekt

Zahlreiche Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) haben in einer gemeinsamen Aktion das Vorgehen der zukünftigen Betreibergesellschaften des umstrittenen Staudammkomplexes am Rio Tapajos verurteilt. Diese hätten ohne die Zustimmung der betroffenen indigenen Einwohner gewaltsam deren Land besetzt, um erste Baumaßnahmen vorzunehmen. Darüber informierte der Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche, CIMI, auf seiner Webseite.

Vermessen ohne Absprache

Insgesamt 46 NGOs unterschrieben einen an die Bundesstaatsanwaltschaft gerichteten Protest gegen die beiden Unternehmen Eletronorte und Ruraltecs. Am 12. Oktober hatten Angestellte der beiden Unternehmen ohne Genehmigung die Indigenen-Gemeinde Pimentel im Westen des Amazonas-Bundeslandes Para betreten, um dort Vermessungen vorzunehmen. Auf die Frage, wer ihnen die Genehmigung zur Aufnahme der Arbeiten in der Gemeinde gegeben hatte, antworteten die Arbeiter, im Auftrag von Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva zu handeln, der den Bau des Komplexes angeordnet hatte.

Der Komplex am Rio Tapajos, einem Zufluss des Rio Amazonas, wird aus insgesamt fünf Staudämmen bestehen. Das Wasserkraftwerk ist Teil des Regierungsprogramms „PAC“ zur Ankurbelung der Wirtschaft, das den Bau von vier riesigen Staudammkomplexen in der Amazonasregion vorsieht. Gegen die Errichtung der Dämme kämpfen Indigenen-Bewegungen und andere Organisationen der Zivilgesellschaft, darunter der CIMI, seit Jahren. Sie klagen die brasilianische Regierung an, die in der Verfassung vorgesehenen öffentlichen Anhörungen der betroffenen Bevölkerung übergangen zu haben und die umstrittenen Bauten gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchdrücken zu wollen.

Indigenen haben Angst vor Reaktion der Polizei

Vertreter der Indigenen-Gemeinde in Pimentel verwiesen die Arbeiter aus der Gemeinde. Diese registrierten Beschwerden gegen die Ausweisung bei der zuständigen Polizei. Die Indigenen fürchten nun, von den Regierungsbehörden kriminalisiert zu werden. Sie führten an, über Jahre Opfer der illegalen Holzmafia gewesen zu sein. Die Aufstauung des Flusses bedrohe nun die Lebensweise der Ureinwohner in ihrem traditionellen Siedlungsgebiet.

Zu den 46 Unterzeichner-NGOs zählen die Bewegung Tapajos Vivo, Xingu Vivo, die Landlosenorganisation MST und die Landpastorale der katholischen Kirche. Auch CIMI sowie das Comite Dorothy, das die Arbeit der 2005 von Großgrundbesitzer ermordeten US-amerikanische Umweltaktivistin Dorothy Stang weiterführt, unterzeichneten das Schreiben.

Autor: Thomas Milz