Kolumbien |

Ansprechpartner für Dialog mit protestierenden Bauern

Abgeordnete des Kongresses der Region Norte de Santander forderten gestern bei einem Treffen mit dem kolumbianischen Innenminister Fernando Carrillo und dem Präsidialreferenten für sozialen Dialog, Luis Garzón, die Benennung eines ständigen Beraters für die Region Catatumbo, der Ansprechpartner für Bauern und Bäuerinnen sein soll.

Der Referent solle die Erfüllung der mit den Bauern getroffenen Übereinkünfte überwachen und die Vereinbarungen kommunizieren, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Die Regierung stehe diesem Vorschlag positiv gegenüber, die Entscheidung liege jedoch bei Präsident Juan Manuel Santos, erklärten die Regierungsmitglieder. Mit diesem Vorschlag begegne man einer seit mehreren Jahrzehnten andauernden Krise, erklärte Garzón.

In Catatumbo protestieren seit drei Wochen rund 16.000 Kleinbauern mit Straßenblockaden und Demonstrationen. Mindestens vier Personen sind bei Zusammenstößen mit Polizei und Militär bisher ums Leben gekommen. Auslöser der Proteste war das Ausreißen von illegalen Kokapflanzungen der Kleinbauern durch Soldaten.

Koka-Kleinbauern fordern Schutzzone

Die Bauern fordern dabei unterstützt zu werden, Koka-Pflanzungen schrittweise durch nachhaltige Produkte zu ersetzen, Zugang zum Gesundheitssystem, Hilfen zur Minderung einer Nahrungsmittelkrise sowie die Einrichtung so genannter Schutzzonen (Zona Reserva Campesina – ZRC) in ihrer Region. Dabei berufen sie sich auf ein Gesetz von 1994, wonach die Regierung auf staatlichem Grund und Boden ZRC einrichten kann. Bisher gibt es nur sechs ZRC in Kolumbien. Dort leben auf ca. 800.000 Hektar rund 75.000 Menschen. Die Einrichtung weiterer Zonen hatte auch die Farc bei den derzeit laufenden Friedensverhandlungen gefordert. Die Regierung vermutet eine Unterwanderung der Proteste durch Farc- und ELN-Guerilla.

Gestern hat die Regierung neue Gesprächspartner für einen Dialog mit den Bauern in benannt. Zunächst hatte sie jegliche Gespräche mit den Protestierenden abgelehnt und erklärt, die Bauern müssten als Bedingung für die Aufnahme von Gesprächen ihre Straßenblockaden beenden. Ein erster Dialogversuch von Landwirtschaftsminister Francisco Estupiñán in Tibú scheiterte daran, dass die Bauern ohne Präsenz des Militärs verhandeln wollten. Die Bauern fordern weiterhin ein Gespräch mit Präsident Santos. (bh)