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»Mutiges Eintreten für Menschenrechte

Der Kant-Weltbürgerpreis der Freiburger Kant-Stiftung ist im Mai dem brasilianischen Bischof Luís Cappio und dem israelischen Menschenrechtsaktivisten Jeff Halper verliehen worden. Mit dem Preis würdigt die Stiftung das »mutige Eintreten zugunsten der Menschenrechte von politisch und sozial marginalisierten Bevölkerungsgruppen«. In der Begründung heißt es weiter: »Eine Zivilisation, die die Menschenrechte zwar auf den Lippen führt, diesen aber gleichzeitig die Existenzgrundlage entzieht, bedarf jener entschiedenen Mahnung zu humaner Glaubwürdigkeit, der sich diese Preisträger verpflichtet haben.« Bischof ­Cappio wurde über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt, als er 2005 und 2007 für insgesamt 35 Tage die Nahrungsaufnahme verweigerte, um gegen die Teilableitung des São-­Francisco-Flusses zu protestieren. Mit seinem öffentlichen Protest wurde er zur Symbolfigur im Kampf für die Menschenrechte und den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen.

Der Fluss São Francisco ist die Lebensader für knapp 13 Millionen Menschen, die im Trockengebiet des brasilianischen Nordostens leben. Die brasilianische Regierung plant, an zwei Großkanälen von diesem Fluss Wasser abzuzapfen, um es in andere Gebiete zu leiten. Nach Regierungs­angaben soll die Wasserversorgung der dortigen Bevölkerung verbessert werden. Millionen Menschen in unmittelbarer Nähe der Kanäle bleibt der Zugang zu Trinkwasser jedoch nach wie vor verwehrt.

Experten haben mehrfach darauf hingewiesen, dass in den verarmten Dürregebieten Nordostbrasiliens eigentlich genug Wasser vorhanden sei. So regne es im Jahresdurchschnitt mehr als in Frankreich. Allerdings müsse das Wasser sinnvoll gespeichert und verteilt werden. Genau dies fordert die Bürgerbewegung um Bischof Cappio, die ein umfassendes Konzept zur Lösung der Wasserprobleme erarbeitet hat. Ihr Alternativmodell wäre nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll, es wäre sogar günstiger und setzt bei den Menschen an, die das Wasser am dringendsten benötigten: den verstreut lebenden Landarbeitern, den India­nergemeinschaften und den Bewohnern der städtischen Elendsviertel. »Nicht immer siegt die Vernunft über die Habgier«, hatte Bischof Cappio schon im März 2006 im Interview mit Blickpunkt Lateinamerika vorhergesagt.
»Wir müssen dringend unsere Produktionsweise und unser Konsumverhalten ändern«, sagte Bischof Cappio bei der Preisverleihung in Freiburg. »Wir müssen lernen‚ mit weniger besser zu leben.« Zerstörerische Wirtschaftsaktivitäten, Spekulationskapital und extreme Reichtümer müssten höher besteuert werden. Diese Steuereinnahmen sollten den Opfern von Hunger und klimatischen Veränderungen zugutekommen und der Prävention ökologischer Katastrophen dienen.

Bischof Cappio und sein Anliegen wird auch in Deutschland und österreich von einem breiten Solidaritätsbündnis – darunter Adveniat – unterstützt, das im Mai eine Reihe von Informationsveranstaltungen mit dem Franziskaner organisierte.

Mehr Informationen und Links zu den Mitgliedern des Solidaritätsbündnisses gibt es im Internet
unter: www.saofrancisco-2009.net

Die Kooperation Brasilien e.V.
(KoBra-Netzwerk), Mitglied des Solidaritätsbündnisses, hat ein Sonderheft zum Río São Francisco herausgegeben. Es kann aus dem Internet heruntergeladen werden: www.kooperation-brasilien.org

Informationen zum Kant-Preis
gibt es unter:
www.kantstiftung.de